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Klimawandel Meeresspiegel steigen immer schneller

Die Erderwärmung lässt den Meeresspiegel stärker steigen. Neue Messungen haben ergeben, dass der Pegel bis zum Jahr 2100 mehr als doppelt so hoch steigen wird wie bisher angenommen.

Wegen des steigenden Meeresspiegels sind viele der flachen Fidschi-Inseln im Südpazifik buchstäblich vom Untergang bedroht.

Wegen des steigenden Meeresspiegels sind viele der flachen Fidschi-Inseln im Südpazifik buchstäblich vom Untergang bedroht.

Das Meer steigt heute schon schneller an als noch vor zwanzig Jahren - derzeit um rund drei Millimeter pro Jahr. Die Hauptursache bisher ist, dass die globale Erwärmung auch das Meerwasser aufheizt und sich warmes Wasser ausdehnt. Das macht ungefähr 60 Prozent des Meeresanstiegs aus.

Das Wasser steigt immer schneller

Der Rest kommt von den schmelzenden Gletschern weltweit dazu - vor allem auf Grönland, aber auch in vielen Hochgebirgen der Welt, dem Himalaya, den Anden und den Alpen. Diese Gletscher schmelzen immer schneller, und damit beschleunige sich der Meeresspiegelanstieg heute schon mit jedem Jahr. Das haben die US-Wissenschaftler von der Universität Colorado anhand von Satellitenmessungen nun festgestellt.

Vor allem die Antarktis, die bisher noch kaum eine Rolle spielte, werde in den nächsten Jahrzehnten immer mehr zum Meeresanstieg beitragen, wenn es dort weiter wärmer wird. Sollte diese Beschleunigung anhalten, werde der Meeresspiegel im Jahr 2100 50 bis 80 Zentimeter höher liegen als jetzt.

Chinesische Wissenschaftler haben auf der 34. chinesischen Antarktis-Expedition dieses Foto eines Eisbergs geschossen.

Chinesischen Forscher haben dieses Foto eine Eisbergs in der Antarktis geschossen.

Schlechte Aussichten

Mit dieser Prognose sind die Forscher etwas pessimistischer als der Weltklimarat, der einen solchen Anstieg zwar auch für möglich hält, aber nur dann, wenn die Menschheit nichts gegen den Klimawandel unternimmt.

"Die Studie stellt sehr glaubhaft dar, dass es eine Beschleunigung des Anstiegs gibt", sagt Ingo Sasgen vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven. Die Forscher hätten nicht nur neue Messdaten verwendet, sondern diese auch sehr gründlich ausgewertet. Zahlreiche Effekte, die nichts mit dem Klimawandel zu tun haben, seien schon herausgerechnet worden.

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie rechnet sogar noch mit einem stärkeren Meeresspiegelanstieg - nämlich um bis zu 1,70 Meter. Allerdings, so Sasgen, handele es sich dabei um hypothetische Extremwerte, die im schlimmsten Fall eintreten könnten - nicht um Prognosen.


Von Gabor Paal, SWR Wissen | Online: Hendrik Hänel