Datenanalyse zur Pendlerpauschale (Foto: SWR, Picture Alliance)

Steuervorteil durch Klimapaket Pendlerpauschale: Fast eine Million Arbeitnehmer im Südwesten profitieren

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Die Bundesregierung will 2021 die Pendlerpauschale im Rahmen des Klimapakets erhöhen. Die SWR-Datenanalyse zeigt, in welchen Gemeinden in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz der Steuervorteil ankommt.

Insgesamt erhalten voraussichtlich mehr als 978.000 Pendlerinnen und Pendler in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz die Steuererleichterung aus dem Klimapaket der Bundesregierung. Das zeigt eine Datenanalyse des SWR auf Basis der Pendlerstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Von Januar 2021 an sollen Arbeitnehmer ab dem 21. Kilometer ihres Pendelwegs eine höhere Pauschale von 35 Cent anstatt bislang 30 Cent pro Kilometer in der Steuererklärung geltend machen können (wie bisher nur für die einfache Fahrtstrecke). In Baden-Württemberg könnten davon rund 17 Prozent aller Arbeitnehmer profitieren, in Rheinland-Pfalz 15 Prozent.

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Die Karte zeigt Ihnen, wo besonders viele Arbeitnehmer von der Steuererleichterung profitieren werden:

Stadt und Land profitieren gleichermaßen

Die Bundesregierung will mit der Anhebung der Entfernungspauschale Pendler im ländlichen Raum entlasten, die einen langen Arbeitsweg zurücklegen müssen. In Baden-Württemberg klappt das nur bedingt. Die Berechnungen der SWR-Datenjournalisten zeigen, dass in besonderem Maße Arbeitnehmer aus großen und mittelgroßen Städten profitieren. So können zwar fast 275.000 Pendler auf dem Land mit einer Steuererleichterung rechnen. In Großstädten und städtisch geprägten Regionen profitieren hingegen 475.000 Arbeitnehmer. Nach SWR-Berechnungen können Pendler in Baden-Württemberg damit voraussichtlich rund 145 Millionen Euro mehr von der Steuer absetzen.

In Rheinland-Pfalz profitieren strukturbedingt mit 176.000 deutlich mehr Arbeitnehmer in ländlichen Regionen als in den größeren Städten, wo gut 51.000 Arbeitnehmer mehr als 20 Kilometer pendeln. Rheinland-pfälzische Pendler können damit nach SWR-Berechnungen in Summe rund 40 Millionen Euro an Fahrtkosten zusätzlich in der Steuererklärung geltend machen.

Bonus für Autopendler?

Die neue Regelung soll 2021 in Kraft treten. Dann können Arbeitnehmer unabhängig vom Verkehrsmittel ab dem 21. Kilometer höhere Abzüge von der Steuer geltend machen. Für Autofahrer gilt außerdem, dass es keine Höchstgrenze gibt. So kann ein Auto-Pendler mit einer Wegstrecke von 100 Kilometern künftig 7480 Euro pro Jahr geltend machen. Das sind 880 Euro mehr als bisher. Allerdings zeigt die Datenanalyse, dass solch lange Pendelstrecken nicht sehr häufig sind. In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz pendeln weniger als ein halbes Prozent der Arbeitnehmer weiter als 100 Kilometer zur Arbeit.

Steuerersparnis hängt vom individuellen Einkommen ab

Wie viel Einkommensteuer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sparen können, hängt vom individuellen Einkommen und dem jeweiligen persönlichen Steuersatz ab. Beschäftigte mit einem hohen Einkommen und einem langen Fahrtweg zur Arbeit, den sie mit dem Auto zurücklegen, profitieren am stärksten von der Erhöhung der Entfernungspauschale.

Methodik-Hinweise

Die Berechnung der SWR-Datenjournalisten basiert auf der offiziellen Pendlerstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Demnach sind hier nur sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer berücksichtigt (ohne Beamte, Selbständige und Schüler). Die Pendlerstatistik weist für jeden Ort aus, wie viele Arbeitnehmer wohin pendeln. Verbindungen mit weniger als fünf Pendlern werden nicht ausgewiesen. Diese Pendelverbindungen gehen deshalb in unserer Berechnung verloren. Durch unsere vereinfachten Berechnungen der Pendlerdistanzen für alle Gemeinden (Ortsmitte zu Ortsmitte) kann es Abweichungen von tatsächlichen Fahrtwegen geben. Der tatsächliche steuerliche Spareffekt hängt vom individuellen Einkommen und Steuersatz ab. Wie viel Kosten dadurch für den Staat entstehen, kann deshalb hierüber nicht berechnet werden.

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