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Am Freitag demonstrieren Schüler wieder für den Klimaschutz. Mitten in der zweiten Pandemie-Welle. Martin Rupps hat kein Verständnis dafür.

Die Fridays for Future-Bewegung beendet ihre Corona-Pause und ruft für Freitag zu Demonstrationen auf. In Baden-Württemberg soll es Kundgebungen in Stuttgart, Heidelberg, Karlsruhe und Ulm geben, und in Rheinland-Pfalz in Mainz, Bad Kreuznach, Koblenz und Trier. Muss das sein? Wir befinden uns mitten in der zweiten Pandemie-Welle. Virologen sagen übereinstimmend, dass sich jetzt viele junge Leute gegenseitig anstecken. Also nein, es muss nicht sein!

Die Fridays for Future-Bewegung demonstriert am Freitag zum ersten Mal seit Ausbruch der Corona-Pandemie (Foto: dpa Bildfunk, dpa Bildfunk/Sebastian Gollnow)
Die Fridays for Future-Bewegung demonstriert am Freitag zum ersten Mal seit Ausbruch der Corona-Pandemie dpa Bildfunk/Sebastian Gollnow

Ich möchte den Frauen und Männern, die wieder auf die Straße gehen, nicht das Demonstrationsrecht absprechen. Demonstrationen bleiben auch in diesen Zeiten wichtige Plattformen der Demokratie. Gegner von Corona-Einschränkungen warten mit ihrem Protest verständlicherweise nicht, bis die Pandemie, sprich die Einschränkungen vorbei sind. Auch der aktuelle Streik im öffentlichen Dienst gehört zum politischen Spiel: Man muss seine Waffen zeigen, um später Frieden schließen zu können. Das Thema der Fridays for Future-Bewegung ist von anderer Art: Maßnahmen zum Klimaschutz dulden keinen Aufschub, aber der Protest dafür schon.

Vielleicht haben die Fridays for Future-Organisatoren ja die Sorge, die Politik könnte ohne Demonstrationen in ihren Klima-Bemühungen nachlassen. Diese Sorge wäre gegenüber dem Gesundheitsrisiko, das sie erzeugen, sorgfältig abzuwägen. Viel mehr glaube ich, leitet die Macher die Angst vor einem Einschlafen oder gar Zerfallen der Bewegung. Die Fans des VfB Stuttgart oder von Mainz 05 kommen zurück, wenn die Fußballstadien wieder voll werden dürfen. Aber vielleicht nicht mehr alle klimabewegten Schüler, nachdem der freitägliche Protest ein Jahr lang ausgefallen ist.

Weitere Fehlstunden nach Unterrichtsausfall

Ob Schulstunden für eine Klima-Demonstration geschwänzt werden dürfen, erscheint mir zu normalen Zeiten diskussionswürdig. Während einer Pandemie nicht. Seit März fällt massenhaft Unterricht aus – da sollten keine weiteren Fehlstunden hinzukommen. Schüler, die jetzt demonstrieren, brüskieren auch die großen Anstrengungen von Schulleitungen und Lehrern, den Schulbetrieb am Laufen zu halten.

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