Eine in BerlinReinickendorf geschlossene Kita

Stadt bittet Eltern um Verständnis

Verkürzte Öffnungszeiten für Kitas in Mannheim "unumgänglich"

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Isabel Handrich
Janina Hecht
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Monika Regelin

In den Mannheimer Kindertagesstätten gibt es zu wenig Personal. Deshalb sollen die Öffnungszeiten gekürzt werden - für drei Jahre. Bürgermeister Dirk Grunert bittet um Verständnis.

In einem Elternbrief hat Bildungsbürgermeister Dirk Grunert (Grüne) am Montag um Verständnis für die Verkürzung der Öffnungszeiten in den Mannheimer Kindertagesstätten und Kindergärten gebeten. Schon jetzt könnten die meisten Einrichtungen ihre Betreuungszeiten wegen Personalmangels nicht verlässlich einhalten. In den Einrichtungen könnten derzeit 150 Stellen dauerhaft nicht besetzt werden.

Reduzierung der Öffnungszeiten laut Stadt notwendig

Deshalb hätten die drei großen Träger Stadt, Evangelische Kirche und Katholische Kirche beschlossen, die Öffnungszeiten um fünf Stunden pro Woche auf 41,5 Stunden zu reduzieren. In der Regel wären Kitas, Kindergärten und die städtischen Horte dann nur noch von 7:30 Uhr bis 16 Uhr geöffnet und freitags bis 15 Uhr.

In Ausnahmefällen könne die Stundenzahl pro Tag noch einmal um eine Stunde verkürzt werden, so Grunert. Das sei aber nicht der Regelfall. Die verkürzten Öffnungszeiten gelten ab September und sind auf drei Jahre befristet. Die Entscheidung sei den Trägern und ihm nicht leicht gefallen, sie sei aber notwendig.

Ohne ständige Reduzierungen der Öffnungszeit kann der Betrieb nicht aufrechterhalten werden.

In anderen Städten wie zum Beispiel in Stuttgart, Karlsruhe oder Tübingen seien die Einschränkungen noch größer.

Mit den kürzeren Öffnungszeiten soll wieder eine stabile Betreuung möglich werden. In Mannheim kann der Bedarf an Plätzen schon lange nicht gedeckt werden. Ohne diese Kürzungen, so die Stadt, könne weiteren 400 Kindern gar kein Kita-Platz angeboten werden.

In Mannheim gebe es so viele Kinderbetreuungsplätze wie nie zuvor. Die Stadt Mannheim arbeite bereits seit längerem daran, die Arbeitsbedingungen in den Kitas zu verbessern. Außerdem seien Möglichkeiten zum Quereinstieg in den Erzieherberuf geschaffen und die Zahl der Ausbildungsplätze um 20 Prozent erhöht worden. Aber in den vergangenen Jahren habe sich der Bedarf nach frühkindlicher Betreuung massiv erhöht und es seien überdurchschnittlich viele junge Familien nach Mannheim zugezogen. Daher sei die Situation bei der frühkindlichen Betreuung trotz der Erfolge beim Kita-Ausbau und der Personalgewinnung in Mannheim weiter sehr angespannt, teilte die Stadt Mannheim mit.

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Mannheimer Elternbeiräte haben Protest angekündigt

Am 6. Juni wird es eine gemeinsame Sitzung des Ausschusses für Bildung und Gesundheit, des Schulbeirates und des Jugendhilfeausschusses geben. Für diesen Tag haben verschiedene Elternbeiräte zu Protesten aufgerufen, am Tag danach soll es eine Demonstration geben.

Der Fachkräftemangel im Kita- und Hortbereich sei seit Jahren bekannt und müsse zielgerichtet angegangen werden, so Mirjam Daffaa vom Gesamtelternbeirat der Evangelischen Kindertagesstätten. Die pauschale Kürzung von Öffnungszeiten über den Zeitraum von drei Jahren ohne konkrete Maßnahmen, welche Familien entlasten können, sowie Unklarheit über die zukünftigen Perspektiven für Familien verschiebe das Problem nur.

Wir fordern, dass Entscheidungen, die letztendlich auf den Rücken von Kindern und Familien getroffen werden, transparent und unter Einbezug von Elternvertretungen stattfinden.

Die Elternbeiräte der drei großen Träger in Mannheim haben sich zusammengeschlossen und wollen gezielt auch die Wirtschaft in ihren Protest einbinden. Auf einem eigenen Instagramkanal veröffentlichen sie Stellungnahmen von betroffenen Eltern.

Alleinerziehende Mutter aus Mannheim fühlt sich im Stich gelassen

Von einer Verkürzung der Öffnungszeiten wäre zum Beispiel die alleinerziehende Mutter Tina Kort stark betroffen. Sie habe keine familiäre Unterstützung und es gebe keinen Vater, sie sei bewusst alleine Mutter geworden. Sie habe geglaubt, mit guter Organisation könne man das schaffen. Eltern wie sie seien "es ja schon gewohnt, um halb neun Uhr morgens zu erfahren, dass die Krippe um 14 Uhr schließt und das wahrscheinlich die ganze Woche". Sie kenne die Personal-Probleme der Kommunen und wisse, dass es zu wenig Einrichtungen gibt und habe Verständnis. Aber jetzt die Zeiten zu kürzen sei "der einfache Weg". 

Mit diesem Schritt fühlt man sich mehr als im Stich gelassen.

Jahrelang sei in Schulen, an Infrastruktur, Personal und Modernisierung gespart worden. Sie frage sich, ob die Stadt Mannheim kein Interesse an Familien habe und sie spiele ernsthaft mit dem Gedanken, wegen der Betreuungssituation aus Mannheim wegzuziehen, sagte sie dem SWR.

Offener Brief: Stadtelternbeirat fordert Notgruppen

Am Dienstag hat der Stadtelternbeirat der städtischen Tageseinrichtungen für Kinder einen offenen Brief an Oberbürgermeister Christian Specht (CDU), Bildungsbürgermeister Dirk Grunert und alle Fraktionen verschickt. Darin äußern die Elternvertreter der städtischen Kitas zwar teilweise Verständnis für das Vorgehen der Stadt Mannheim und der kirchlichen Träger. So schreiben die Elternvertreter, dass sie "sehr wertschätzend und sehr positiv anerkennen", dass versucht werde, ein möglichst hohes Betreuungsspektrum aufrecht zu halten. Sie hätten sich aber eine breite und offene Diskussion mit allen Beteiligten und Mitgliedern des Gemeinderats sowie den Elternvertretungen gewünscht. Die so beschlossene Verkürzung der Öffnungszeiten sähen sie kritisch. Denn nun würden erfahrungsgemäß vor allem Mütter ihre Arbeitszeit weiter reduzieren müssen. Somit stünden auch gut ausgebildete Fachkräfte dem gesamten Arbeitsmarkt und der Wirtschaft weniger zur Verfügung.

Der Stadtelternbeirat fordert in seinem offenen Brief zudem unter anderem die Einrichtung von Notgruppen und zwar montags bis donnerstags von 16 Uhr bis 17 Uhr, für Vollzeit arbeitende Eltern. Die Kitas sollten zudem auch freitags bis 16 Uhr geöffnet bleiben und nicht, wie geplant, schon um 15 Uhr schließen. Außerdem sollten die Träger zusätzlich alternative Betreuungsmodelle prüfen.

Kritik auch von der IHK Rhein-Neckar

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar übt ebenfalls scharfe Kritik an der geplanten Verkürzung der Betreuungszeiten in Mannheim und warnt vor den Auswirkungen für die Beschäftigten und den Arbeitsmarkt in der Region.

Bereits heute arbeiten aufgrund der unzureichenden Betreuungssituation viele Eltern weniger als sie gerne würden.

Verringerte Öffnungszeiten hätten massive Auswirkungen auf die Unternehmen in der Region. Beschäftigte könnten dadurch gezwungen sein, ihre Arbeitszeit zu reduzieren und das "bei einem ohnehin schon gravierenden Arbeits- und Fachkräftemangel", sagt der IHK-Präsident. Die IHK Rhein-Neckar fordert statt einer Verkürzung der Öffnungszeiten unter anderem einen verstärkten Einsatz von Zusatzkräften, bessere digitale Prozesse und eine Reform des elektronischen Melde-Systems der Stadt Mannheim für die Kinderbetreuung (Meki).

Reduzierung der Kita-Gebühren?

Bildungsbürgermeister Dirk Grunert teilte in seinem Brief an die Eltern mit, dass die städtischen und kirchlichen Träger die Mitglieder des Mannheimer Gemeinderats bitten, im Gegenzug für eine Verkürzung der Öffnungszeiten die Gebühren für die Kindertageseinrichtungen zu reduzieren bzw. den Eltern in kirchlichen und freien Einrichtungen einen Teil der Gebühren zu erstatten. Darüber soll am 6. Juni dann in der gemeinsame Sitzung des Ausschusses für Bildung und Gesundheit, des Schulbeirates und des Jugendhilfeausschusses beraten werden. Am 13. Juni entscheidet dann der Gemeinderat.

Mehrere Fraktionen bringen Änderungsanträge ein für Ausschusssitzung

Die Mannheimer SPD Fraktion hat nun einen Änderungsantrag für die Ausschusssitzung am 6. Juni eingebracht. So sollen unter anderem die Öffnungszeiten weniger stark gekürzt werden und die Reduzierung nur für zwei statt drei Jahre gelten.

Auch die CDU-Fraktion hat einen Änderungsantrag eingebracht. Darin steht unter anderem, dass die Öffnungszeiten vorerst nur für ein Jahr verringert werden sollen. Vor Ablauf des Jahres sollen sich die drei Kita-Träger dann zusammensetzen und überprüfen, ob die Betreuung wieder erhöht werden kann. Außerdem plädiert die Fraktion dafür, unter anderem pädagogische Hilfskräfte für eine längere Nachmittagsbetreuung einzusetzen - zum Beispiel Trainer aus Sportvereinen und Musiklehrer von Musikschulen.

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