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Kneipen, Sportplätze, Museen - alles geschlossen, um die Verbreitung des Coronavirus zu bremsen. Doch warum dürfen ausgerechnet Gotteshäuser, die sich wiederholt als Corona-Hotspots erwiesen haben, offen bleiben, fragt Stefan Giese.

Geselligkeit gehört zu den Tugenden, die im Moment nicht hoch im Kurs stehen. Begegnungen sollen wir vermeiden, möglichst wenig direkten Kontakt zueinander haben – nicht in der Kneipe, nicht auf dem Sportplatz und auch nicht im Museum. Alles ist geschlossen, weil wir uns dort gegenseitig mit dem Coronavirus anstecken können, eine Gefahr füreinander sind. Unangenehm, aber nachvollziehbar, finde ich.

Kontaktvermeidung für Fortgeschrittene - Gottesdienst in Corona-Zeiten (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Kontaktvermeidung für Fortgeschrittene - Gottesdienst in Corona-Zeiten Picture Alliance

Doch es gibt Orte, an denen diese Logik nicht gilt, die nicht schließen müssen, obwohl sich dort Menschen treffen: Gotteshäuser. Wer Kirchen, Moscheen, Tempel oder Synagogen betritt, scheint von einer Art göttlichen Blase umgeben zu sein, die Coronaviren einfach abprallen lässt. Das ist beneidenswert – wäre da nicht diese leidige Sache mit der Wirklichkeit. In der nämlich waren Gotteshäuser in den vergangenen Monaten immer wieder wahre Corona-Hotspots, in denen sich mitunter Hunderte Gottesdienstbesucher ansteckten.

Trotzdem setzen die Corona-Bekämpfungsverordnungen der Länder in Sachen Religion offensichtlich auf magisches Denken – und auf genau die Abstands- und Hygieneregeln, die bei Kultur- und Freizeiteinrichtungen nicht ausreichen sollen, um sie vor der Schließung zu bewahren. Bedauerlicherweise ist nicht zu erwarten, dass die religiöse Corona-Extrawurst die Folgen dieser Schließungen für die direkt Betroffenen abmildert. Diverse Gerichte werden sich in den kommenden Tagen und Wochen damit beschäftigen müssen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

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