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Keine Diesel und Benziner ab 2030 Kann sich die Autoindustrie neu erfinden?

Die Mehrheit der Länder im Bundesrat ist dafür, ab 2030 keine Autos mit Benzin- oder Dieselmotor mehr zuzulassen. Schaffen deutsche Autobauer das Aus für Verbrennungsmotoren? Was kommt danach?

Gespräch mit Eva Laun, SWR Wirtschaft und Soziales

Was sieht das Papier der Bundesländer bezüglich der Verbrennungsmotoren vor?

Hintergrund des Papiers ist das Pariser Klimaschutzabkommen. Darin steht, dass die Welt ab 2050 CO2-neutral sein soll. Auf dieser Basis rechnet der Bundesrat zurück und sagt, dann müssen wir bereits 2030 anfangen, zumindest die neuen Autos klimaneutral fahren zu lassen - sprich emissionsfrei.

In diesem Papier gibt es auch einige Vorschläge, wie man den Umstieg mit Hilfe von Steuern und Abgaben fördern kann. Dann kommt der für die Autoindustrie aufsehenerregende Satz: "Damit spätestens ab dem Jahr 2030 EU-weit nur noch emissionsfreie PKW zugelassen werden." Da waren plötzlich alle hellwach.

Wie realistisch ist es, dass E-Autos die Benzin- und Dieselmotoren tatsächlich in 14 Jahren ablösen?

Da heißt es von den Experten durch die Bank, das sei ziemlich unrealistisch. 14 Jahre sind extrem kurz in der Autoindustrie, weil ein Auto etwa fünf bis sieben Jahre mehr oder weniger gleich verkauft wird. Anschließend braucht man ungefähr noch einmal so lange Vorlauf in der Entwicklung.

Aber es kommt aus meiner Sicht noch eine ganz andere Frage hinzu: Ist das E-Auto wirklich die bessere Alternative? Diese Frage ist immernoch nicht beantwortet. Was ist mit der Brennstoffzelle? Oder mit den Verbrennern mit sogenannten synthetischen Kraftstoffen? Das ist quasi Diesel und Benzin aus nachwachsenden Rohstoffen. Denn auch bei E-Autos sind Probleme mit den Rohstoffen zu erwarten - insbesondere Lithium für Batterien wird immer knapper. Es nützt uns nichts, wenn wir mit viel Aufwand viele Ladesäulen aufgestellt haben, wenn es am Ende woanders hakt.

Reicht dieses Ziel, dieses Gesetz? Oder was braucht es noch, damit die Energiewende im Automobilbereich gelingt?

In einer Fabrikhalle stehen eine Frau und ein Mann am Fließband und montieren Getriebe

Kriegt die Autoindustrie die Kurve?

Meines Erachtens reicht das überhaupt nicht. Ein Gesetz würde vorweg nehmen, was technisch die beste Lösung sein soll. Das ist kein guter Weg. Die Politik sollte besser strenge, anspruchsvolle Ziele vorgeben - und die Industrie muss sie lösen. Wie, ist aber erst einmal ihre Sache.

Und - das hat uns der Dieselskandal von VW gezeigt - diese Ziele müssen auch nachweisbar gelöst sein. Sonst diskutieren die Politiker und die Wirtschaft - und vergessen dabei völlig den Verbraucher. Der muss auch mitgenommen werden: Was bringt ihm die neue Technik? Was kann er dabei sparen? Wie alltagstauglich ist das?

Hier brauchen wir viel mehr Informationen. Das zeigt auch die Kaufprämie für E-Autos. Da ist der durchschlagende Erfolg bisher völlig ausgeblieben.

Das Gespräch führte SWR-Moderator Stefan Orner.

Online: Heidi Keller