Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

Kein Bock, Termine abzusagen

Meinung: Absagen - eine Zeitverschwendung

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Martin Rupps
Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

Leute sagen nicht ab, wenn sie das Interesse verloren haben. Martin Rupps sieht darin eine neue Wurstigkeit, die ihn selbst ein bisschen befällt.

Vor einiger Zeit bat mich eine Bekannte, ihr einen Handwerker zu vermitteln für ihre Wohnung im Ausland. Ich telefonierte herum, wurde fündig, schrieb ihr die Adresse. Keine Reaktion. Als ich Tage später nachfragte, erhielt ich zur Antwort: „Habe schon jemanden. Danke für Deine Hilfe.“

Junge Frau bei Wohnungssuche  (Foto: IMAGO, wolterfoto)
Leute sagen nicht ab, wenn sie das Interesse verloren haben. Martin Rupps sieht darin eine neue Wurstigkeit, die ihn selbst ein bisschen befällt. wolterfoto

Das passiert mir oft. Anderen offenbar auch. Sie erzählen, Kaufinteressierte an Möbel oder Spielsachen seien trotz Terminabsprachen einfach weggeblieben. Ohne Absage per Nachricht oder einem Anruf.

Bequemes, aber unhöfliches Schweigen

Es macht sich nach meinem Eindruck eine allgemeine Wurstigkeit breit. Die Unlust, einen Kontakt nicht nur zu knüpfen, sondern auch zu beenden. Nach dem Motto: Die bzw. der Andere wird es schon merken, dass ich raus bin! Das ist bequem, aber nach meinem Stilempfinden unhöflich.

Ich gebe zu, auch mir fallen Absagen schwer. Ich befürchte doofe Bemerkungen der Enttäuschung. Meistens schreibe ich eine WhatsApp – sogar wenn es um Persönliches, etwa eine Einladung, geht. Damit stehle ich mich halb aus der Situation – aber nur halb.

Mit ihrer Wurstigkeit kommen viele Leute gut über die Runden. Wenn immer mehr so denken und handeln, umso besser. Mein Ding ist das nicht.

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