Eine Tierheimmitarbeiterin hält drei Katzenbabys in ihren Händen. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Bildfunk, picture alliance/dpa Bildfunk (Sujetbild))

Katzenschwemme während der Pandemie

Corona-Folge: Tierheime in Baden-Württemberg am Limit

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Florian Rudolph

Tierschützer in BW schlagen Alarm: In den Tierheimen werden deutlich mehr Katzenbabies abgegeben als üblich. Der Landestierschutzverband sieht einen Zusammenhang mit der Pandemie.

Katzenbabies kommen im Frühjahr und Herbst auf die Welt und manche landen in den Tierheimen - normalerweise. Dieses Jahr sieht es ganz anders aus: "Die kleinen Kätzchen kommen seit Juni stetig. Und sie sind auffallend an Menschen gewöhnt", sagte der Vorsitzende des Landestierschutzverbandes Baden-Württemberg, Stefan Hitzler, im SWR.

Er vermutet: Der Katzennachwuchs kommt aus Privathaushalten. "Die haben sich eine Kätzin angeschafft und sie nicht kastrieren lassen. Und jetzt haben sie Nachwuchs und wissen nicht, wohin damit."

Hitzler erinnert in diesem Zusammenhang an ein Phänomen: "Im Januar gab es in den Tierheimen praktisch keine Katzen mehr. Jeder wollte im Lockdown ein Tier haben. Und jetzt sieht es so aus, als ob die Leute andere Interessen haben und die Tierheime mit den Folgen kämpfen müssen."

"Wir brauchen die Kastrationspflicht für Katzen"

Bei Kleintieren gebe es eine solche Entwicklung nicht und bei Hunden sei eine unkontrollierte Vermehrung nicht zu erwarten: "Die Hunde werden zumeist an der Leine geführt und pflanzen sich seltener fort als freilaufende Katzen."

Hitzler fordert deshalb Konsequenzen: "Wir brauchen eine Kastrationsverordnung für alle Gemeinden. Damit die Leute wissen, dass sie ihre Katzen kastrieren lassen müssen."

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