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Klimaretter und die Handelslobby laufen Sturm gegen die kommende Bon-Pflicht. Dabei kann sie für weniger Schwarzarbeit und mehr Steuergerechtigkeit sorgen, meint Martin Rupps.

Vom 1. Januar 2020 an gilt in Deutschland eine neue "Kassensicherungsverordnung". Mit ihr kommt die "Belegausgabepflicht" – im Volksmund Bonpflicht. Verkäufer mit "elektronischen Aufzeichnungssystemen" (sprich Kassen) müssen Kunden "in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit dem Geschäftsvorfall" (also sofort) einen Beleg aushändigen.

Der Bäcker-Verband gehört zu den lautesten Kritikern der Bon-Pflicht (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Der Bäcker-Verband gehört zu den lautesten Kritikern der Bon-Pflicht Picture Alliance

Umweltschützer schwingen entsetzt die grüne Keule, weil die Bonpflicht mehr Papiermüll bringen wird – in vielen Fällen das wenig umweltfreundliche Thermopapier. Händler fürchten unnütze Mehrarbeit, weil viele Kunden die Belege nicht wollen. Die Zettel landen sofort im Papierkorb. Unter der erzürnten Händlerlobby tat sich der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks besonders hervor. Klar, wer will schon einen Bon für eine Tüte Brötchen?

Ich möchte ihn. Mit der Bonpflicht wird weniger Schwarzgeld und mehr Steuerehrlichkeit möglich. Die Behörden schätzen, dass jedes Jahr Milliardenumsätze über manipulierte Kassensysteme verschleiert werden. Früher holten Händler und Unternehmer gern ein Bündel Scheine aus der Kasse, bevor sie mit dem Zählen ihrer Tageseinnahmen begannen. Heute löschen sie am PC Verkäufe, die dann offiziell nicht mehr stattgefunden haben, also auch nicht zu versteuern sind.

Bürokratie abzubauen ist wichtig und Klimaschutz noch wichtiger. Aber das darf kein Grund sein, Steuerbetrüger ungestört gewähren zu lassen.

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