STAND
INTERVIEW
ONLINEFASSUNG

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert eine Verlängerung der aktuellen Corona-Beschränkungen. Für einen erfolgreichen Weg aus der Krise seien die kommenden Wochen entscheidend. Sie würden die härtesten der Pandemie werden, sagte er im SWR Interview.

Politiker, Ärzte und Wirtschaftsexperten diskutieren über eine Lockdown-Verlängerung. In Deutschland meldete das Robert-Koch-Institut zuletzt 12.690 weitere Neuinfektionen. Ärztevertreter fordern eine bundesweit einheitliche Verlängerung des Corona-Lockdowns. Am kommenden Dienstag wollen sich die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten beraten.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach sich im SWR auch für eine Verlängerung der aktuell geltenden Corona-Beschränkungen aus. Geschäfte und Schulen müssten weiterhin geschlossen bleiben. Gründe dafür sind seiner Ansicht nach die Belastung des medizinischen Personals sowie die hohen Ansteckungs- und Todeszahlen. Über Lockerungen könne man einzig bei Kitas und Grundschulen diskutieren, so Lauterbach.

Lauterbach nennt Eisenmanns Präsenz-Forderung abwegig

Die Forderung von Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), in den Schulen nach dem 10. Januar wieder Präsenzunterricht anzubieten unabhängig von den Infektionszahlen, bezeichnete Lauterbach als abwegig:

"Mit der Einstellung hätten wir uns das alles hier sparen können."

Karl Lauterbach (SPD) über die Forderung der baden-württembergischen Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) nach Präsenzunterricht an Schulen

Sollte Unterricht wieder in den Schulen stattfinden, wäre die gesamte Arbeit der vergangenen Wochen umsonst gewesen, erklärte Lauterbach. Er richtete dabei auch den Blick auf Menschen, die auf Intensivstationen arbeiten oder aktuell gegen eine Covid-19-Erkrankung kämpfen. Denen könne man eine solche Haltung nicht vermitteln. Lauterbach schlug hingegen vor, den Präsenzunterricht ab der Mittelstufe für längere Zeit auszusetzen. Zur Not müssten dafür die Sommerferien verkürzt werden.

Lauterbach: Ziel müssen 25 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner sein

Im Hinblick auf die neue Virus-Variante in Großbritannien, die möglicherweise ansteckender sein könnte als die bisherige, empfahl Lauterbach, die Zahl der Neuinfektionen auf eine Inzidenz von 25 statt 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner pro Woche zu drücken. Diese Zahl hatte auch die Vereinigung der Intensiv- und Notfallmediziner (Divi) vorgeschlagen. Deswegen müsse man sich darauf einstellen, "dass wir eine ganze Zeit lang in der Situation bleiben, in der wir jetzt sind".

Die zwölf schwersten Wochen der Corona-Pandemie

Auf die Frage, wie es jetzt weitergehen werde, sagte der SPD-Gesundheitsexperte, die nächsten zwölf Wochen würden die schwersten der Pandemie werden. Jetzt entscheide sich, wie Deutschland aus der Pandemie komme, so Lauterbach. Denn im Vergleich zu anderen Ländern gebe es hierzulande weniger Impfstoff für die ersten drei Monate.

Sollte es zu einem erneuten Rückfall kommen, also wieder steigenden Infektionszahlen, würde es sich dabei vermutlich um die neue Virus-Variante handeln. Die bisher vergleichsweise gute Corona-Bilanz Deutschlands sei dann nicht mehr zu halten, erklärte Lauterbach.

Zwei Voraussetzungen für erfolgreichen Weg aus der Pandemie

Damit ab April eine deutliche Verbesserung der Situation möglich wird, müsse auch der Astrazeneca-Impfstoff zugelassen werden. Sollte es dabei von Seiten der EU Probleme geben, müsse Deutschland allein handeln, so Lauterbach. Wichtig für die kommenden Wochen sei eine Kombination aus einer langfristigen Lockdown-Strategie und einer intelligenten Impfstoffkampagne. Nur so könne man eine Entspannung der Lage erreichen.

mehr zum Thema:

Corona-Krise: Updates, Zahlen und Informationen Live-Blog: Die wichtigsten Entwicklungen rund um das Coronavirus

Das Coronavirus bestimmt den Alltag der Menschen in Deutschland und der Welt. Im Live-Blog fassen wir die Entwicklungen rund um die Pandemie und die Beschränkungen zusammen.  mehr...

Baden-Württemberg

Corona-Politik in Baden-Württemberg Forderung nach Schulöffnungen: Scharfe Kritik an Kultusministerin Eisenmann

Auf Twitter wird unter #EisenmannRücktritt vielfach der Rückzug der Kultusministerin verlangt. Grund ist ihr Vorschlag, trotz hoher Corona-Inzidenzzahlen, ab dem 11. Januar an den Schulen zum Präsenzunterrricht zurückzukehren.  mehr...

Mainz

Corona-Pandemie Biontech will mehr Impfstoff an die EU liefern

Das Mainzer Unternehmen Biontech will mehr Corona-Impfstoff als bisher geplant an die EU liefern. Das teilte Biontech-Chef Sahin mit. Zuvor hatte er die Einkaufspolitik der EU noch als zögerlich bezeichnet.  mehr...

STAND
INTERVIEW
ONLINEFASSUNG