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Nach Meinung von Siemens-Chef Joe Kaeser deutet vieles darauf hin, dass China erneut – wie schon nach der Finanzkrise – die Weltwirtschaft wiederbeleben könnte.

Im SWR Interview der Woche sagte Kaeser: "Ohne jetzt Zahlen vorwegnehmen zu wollen, für unser Quartal vom 1. April bis zum 30.Juni sehen wir tatsächlich, dass China in vielen Bereichen eigentlich schon wieder im Vor-Pandemie-Niveau ist.“

Es sei dabei eine erschreckende Erkenntnis, so Kaeser, dass ein System mit totalitären Regierungsansätzen zumindest kurzfristig Überlegenheit zeige. Dies sei eine "ganz schreckliche Aussage, weil wir - glaube ich - alle wollen, dass die Menschenrechte gewahrt werden", so der Siemens-Chef.

"Totalitäre Regierungsansätze bringen kurzfristig immer eine gewisse Fokussierung. Dass das auf Dauer nicht wünschenswert ist, das ist, glaube ich, jedem klar“, so Kaeser.

Ein Laufen auf Eierschalen für Europa

Im SWR-Interview sprach sich Kaeser für eine gemeinsame Außenwirtschaftspolitik in Europa aus. Nur dann werde man auf Augenhöhe mit den USA und China diskutieren können. Momentan müsse Deutschland allein die Konflikte zwischen den zwei Großmächten der Weltwirtschaft austarieren. Das sei ein Laufen auf Eierschalen.

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Keine Staatshilfen für Siemens nötig

Kaeser hat im SWR Staatshilfen für seinen Konzern ausgeschlossen. Er sei dankbar dafür, dass Siemens bislang gut durch die Krise komme.

"Wichtig ist gewesen, dass wir die Instrumente der Kurzarbeit, der flexiblen Arbeitszeit, nutzen konnten, weil uns das ermöglicht, dass wir die Menschen eben nicht gehen lassen müssen", so Kaeser. "Damit wir später, wenn die Konjunktur und die Wirtschaft wieder anspringen, auch die Fachleute haben."

Siemens habe für seine Beschäftigten auch in den unteren Lohngruppen die Verdienstausfälle zu hundert Prozent ausgeglichen, also die Differenz zwischen Kurzarbeitergeld und dem vorherigen Gehalt.

Alfred Schmit (li.) und Joe Kaeser (Foto: SWR, SWR)
SWR-Korrespondent Alfred Schmit (li.) und Siemens-Chef Joe Kaeser SWR

"Innovationen fördern"

Der Siemens-Chef warnt davor, strukturelle Veränderungen zu verschleppen. "Wir brauchen jetzt den Mut, über Innovationsprogramme, über investive Ausgaben, auch Staatsausgaben, die Wirtschaft anzukurbeln und Vertrauen zu schaffen, aber vor allem die Innovationen zu fördern."

"Innovation wird das sein, was uns in der Welt wieder wettbewerbsfähig macht.“

Joe Kaeser, Siemens AG

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