Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

Kärcher im Präsidentschaftswahlkampf. Ein Kommentar

Liebeserklärung an eine schwäbische Spritzpistole

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Dass eine französische Präsidentschaftskandidatin "den Kärcher aus dem Keller holen" will zur Säuberung von Problemvierteln, ist ein Adelsschlag für die schwäbische Firma, meint Martin Rupps.

Der Reinigungsgeräte-Hersteller Kärcher mit Sitz in Winnenden (Rems-Murr-Kreis) verwahrt sich gegen eine Bemerkung von Valérie Pécresse, der konservativen Kandidatin im französischen Präsidentschaftswahlkampf. Die Politikerin hatte erklärt, sie wolle "den Kärcher aus dem Keller holen" und die "Problemviertel säubern". Das Unternehmen sieht darin eine missbräuchliche Verwendung seines Firmennamens. Bereits 2005 wollte der damalige französische Innenminister Nicolas Sarkozy mit Kärcher-Hochdruckreinigern das "Gesindel in den Pariser Vorstädten" vertreiben.

Verschiedene Kärcher-Produkte (Foto: SWR, SWR -)
Der Winnender Reinigungsgeräte-Hersteller Kärcher wehrt sich gegen die Nennung seines Firmennamens im französischen Präsidentschaftswahlkampf. SWR -

Natürlich, Kärcher-Produkte sollen andere Reinigungszwecke erfüllen. Trotzdem finde ich den Hinweis der Kärcher-Unternehmensleitung auf "starke bürgerliche Werte", die sie in einer Stellungnahme bekräftigt, überflüssig. Fällt hier doch kein schlechtes Licht auf die Firma, sondern auf rhetorische Scharfmacher wie Frau Pécresse oder Herr Sarkozy.

Die Umschreibung von "energisch sauber machen" mit "den Kärcher aus dem Keller holen" bedeutet nach meinem Dafürhalten einen Adelsschlag – auch und gerade, weil er von einer Französin kommt. Die stolzen Franzosen haben für Produkte, die nicht aus Frankreich kommen, selten etwas übrig – für den Sauger mit der Spritzpistole aus Winnenden offenbar schon.

"Kärchern" steht schon im Duden

Es bedeutet für ein Unternehmen ein großes Glück, wenn sein Firmenname zum Synonym eines Produkts oder einer Dienstleistung wird. Nicht jeder Klebestreifen ist ein "tesafilm", aber alle Menschen nennen ihn so. Auch wer "kärchert", greift nicht zwingend zu einem schwarz-gelben Produkt. Übrigens hat es das Wörtchen "kärchern" in den Duden geschafft. Mir ist kein Widerspruch oder Protest eines Reinigungsgeräte-Herstellers aus Winnenden bekannt.

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