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Jagd als Millionengeschäft Große Tiere, großes Geld

Der Tod des Löwen Cecil in Simbabwe durch einen Großwildjäger hat für besonderes Aufsehen gesorgt. Gerade in Afrika ist die Jagd eine wichtige Einnahmequelle.

Von SWR-Reporterin Regina Beck

In elf afrikanischen Ländern ist die Trophäenjagd auf Großwild erlaubt. Allein in Südafrika setzt die Branche rund 90 Millionen Euro im Jahr um. Die Jagdtouristen kommen meistens aus Europa oder aus den USA.

Es sind nicht nur Männer, die Freude an der Großwildjagd haben. Erst vor einem Jahr postete eine 19-jährige Cheerleaderin aus Texas ein Foto von sich und einem toten Löwen, den sie mit Pfeil und Bogen erlegt hatte.

"Man braucht keine Tiere abzuschießen"

Der Shitstorm, der danach einsetzte, beeindruckte die junge Jägerin wenig. Im Gegenteil, sie sorge durch ihr Hobby dafür, dass bedrohte Tierarten erhalten würden. Ein Argument, das Befürworter der Jagd gerne nutzen: Jagdlizenzen seien unverzichtbar bei der Finanzierung von Wildschutzgebieten.

Gegner der Großwildjagd wie Maarten van den Akker sehen das anders: "Jagd und Naturschutz geht einfach nicht zusammen, aber das Argument wird oft verwendet, um die Jagd salonfähig zu machen. In Europa und Amerika gibt es genügend Geld, um Naturschutz zu betreiben. Dazu braucht man keine Tiere abzuschießen."

Straßenbau statt Artenschutz

Jäger

Der russische Präsident Putin zeigt sich gerne in Jagdpose.

Maarten van den Akker hat viele Jahre in Afrika gelebt und Umweltschutzprojekte durchgeführt. Wohin das Geld aus der Großwildjagd wirklich fließt, versuchen Naturschützer seit Jahren nachzuvollziehen.

In manchen Ländern - wie beispielsweise Äthiopien - werden die Jagdgebühren wie Steuereinnahmen verwendet. Das heißt, mit dem Geld werden zuerst einmal Straßen oder Schulen gebaut. Das ist nicht verwerflich, aber das Geld landet nicht im Artenschutz.

Hinzu kommt, dass andere Länder wie Kenia die Trophäenjagd komplett verboten haben und dennoch bedrohte Tierarten schützen und erhalten. Durch Touristen, die auf Safaris fotografieren, verdient Kenia jährlich dreimal mehr als durch Großwildjäger.

Ausnahme Botswana

Elfenbeinopfer

Ihr Elfenbein macht Elefanten zur Zielscheibe von Wilderern.

Nur in einzelnen Fällen und in kontrollierten Projekten kann die Großwildjagd indirekt einen Beitrag leisten, dass Arten geschützt werden, sagt Roland Gramling von der Naturschutzorganisation WWF: "Wir haben das zum Beispiel in Botswana gesehen. Dort gab es zwischen 2001 und 2003 ein Trophäenjagdverbot.

Im gleichen Zeitraum ist die Wilderei, also die unkontrollierte illegale Jagd, wirklich durch die Decke gegangen. Als man wieder die regulierte Jagd eingeführt hat, ging die Wilderei zurück."

Ein weiteres Argument der Großwildjäger lautet: Man müsse in einzelnen Regionen Afrikas - beispielsweise Elefanten - schießen, um eine Überbevölkerung zu verhindern.

Die Lebensräume werden immer enger

Damit wird jedoch das Hauptproblem verschwiegen, gegen das Naturschützer einen verzweifelten Kampf führen - dass die Lebensräume von wilden Tieren in vielen afrikanischen Ländern ständig kleiner werden. Die Tiere werden in die Nationalparks zurückgedrängt und irgendwann ist auch dort der Platz nicht mehr ausreichend.

Daher fordern Umweltschützer wie van den Akker: "Um die Tiere wirklich zu schützen, müssen so viele Nationalparks wie möglich geschaffen werden.

Online-Redaktion: Peter Mühlfeit und Heidemarie Martin