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Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die
Bedeutung der Muslime in Deutschland für den Kampf gegen den islamistischen Terrorismus betont.

Seehofer sprach zum Auftakt der 14. Deutschen Islam-Konferenz, die als Video-Konferenz abgehalten wurde. Er sagte, der Kampf gegen Extremismus müsse "an allen Fronten geführt werden".

Ausbildung muslimischer Prediger gefordert

Die Ausbildung der muslimischen Prediger, der Imame, sei fundamental für die Integration der Muslime in Deutschland. Das sagt Ulrich Pick aus der SWR-Redaktion Religion, Migration und Gesellschaft.

Rund 80 bis 90 Prozent der Imame, die in den etwa 2.600 Moscheen in Deutschland ihren Dienst tun, kämen aus dem Ausland und würden von dort bezahlt. Die Folge sei eine Abhängigkeit getreu dem Motto „Wes Brot ich ess‘, des Lied ich sing“, was das Projekt der Integration in Deutschland untergrabe.

Ditib und Milli Görus bilden auch in Deutschland aus

Ditib, der deutsche Arm des türkischen Religionsministeriums, oder die islamische Gemeinschaft Milli Görüs, eine eher radikale Gruppe, die auch im Verfassungsschutzbericht erwähnt wird, hätten zwar bereits Imam-Ausbildungszentren in Deutschland - in Monschau in der Eifel oder in Mainz.

Beide Verbände seien jedoch von ausländischem Geld abhängig und somit von ausländischer Ideologie, sagte Pick. In Deutschland müssten aber Lehrkräfte herangezogen werden, die sich an dieses Land und die Werte des Grundgesetzes gebunden fühlten.

Religion kann missbraucht werden

Wenn in Deutschland und vom deutschen Staat kontrolliert muslimische Prediger ausgebildet würden, könne man dadurch zwar keine Radikalisierung verhindern. Allerdings ließe sich so der Horizont innerhalb der muslimischen Gemeinschaft erweitern, sagte Pick. Bei den derzeitigen Imamen, die aus dem Ausland kommen und von dort bezahlt werden, herrsche ein sehr enges Islambild vor.

Kritik an der Religion sei nicht vorgesehen und damit auch keine Diskussion darüber, dass eine Religion missbraucht werden könne. Genau dies sei jedoch wichtig für die muslimischen Gemeinschaften, um sich eindeutig positionieren zu können. So ließe sich außerdem vermeiden, dass Muslime von der Mehrheitsgesellschaft mit Terrorismus in Zusammenhang gebracht würden.

Keine Alternative zur Islamkonferenz

Nach wie vor stelle sich in Deutschland die Frage, ob und welche der islamischen Verbände die richtigen Ansprechpartner für den Staat seien. Die muslimischen Verbände in der Deutschen Islamkonferenz (DIK) verträten nämlich nur etwa ein Fünftel bis ein Viertel der Muslime in Deutschland, sagte Pick.

Es gebe zur Islamkonferenz, der zentralen Dialogplattform zwischen Staat und Islam in Deutschland, deshalb derzeit keine Alternative. Die im Jahr 2006 gegründete DIK soll einen regelmäßigen Dialog mit muslimischen Vertretungen in Deutschland sicherstellen.

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