Bild von Stefan Giese  (Foto: SWR, SWR/Christian Koch)

IOC-Präsident. Ein Kommentar

Thomas Bach - Buckeln vor Diktatoren

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IOC-Präsident Thomas Bach lehnt selbst die leiseste Kritik an den Zuständen in China ab. Die Diktatoren dieser Welt können sich weiterhin auf ihn verlassen, meint Stefan Giese.

Thomas Bach ist Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und buckelt gerne vor den Diktatoren dieser Welt. Unvergessen ist sein öffentliches Rumkumpeln mit Wladimir Putin rund um die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi oder sein Rumlavieren, als das Ausmaß des russischen Dopingsystems öffentlich wurde.

Thomas Bach erklärt seine Sicht auf das IOC:

Im Februar kommenden Jahres sollen die nächsten Olympischen Winterspiele über die Bühne gehen, diesmal in der anderen Großdiktator der Welt, in China. Einem Land mithin, dessen Zustände reichlich Anlass zur Kritik bieten. Da wäre die an Völkermord grenzende Behandlung von Minderheiten, oder die mit brutaler Gewalt liquidierte Demokratie in Hongkong, oder die andauernden Kriegsdrohungen gegenüber Taiwan, oder die allumfassende Überwachung der kompletten Bevölkerung, oder…

Von alldem will Thomas Bach nichts wissen. Im Interview mit SWR Sport redet er sich raus: "Die Olympischen Spiele können nicht die politischen Probleme lösen, die Generationen von Politikern bisher nicht lösen konnten" – als ob das irgendwer verlangt hätte. Mehr noch, selbst zu leisester Kritik an den offensichtlich unhaltbaren Zuständen ist Bach nicht bereit und spricht in dem Zusammenhang von "politischer Meinung". Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind für ihn also "Meinung". Darauf muss man erstmal kommen.

Lieber Handshake als Kritik: Bach und Chinas Präsident Xi (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Lieber Handshake als Kritik: Bach und Chinas Präsident Xi Picture Alliance

Bachs Äußerungen lassen wenig Zweifel daran, dass er und das IOC weiterhin auch den rücksichtslosesten Machthabern eine Bühne bieten werden, auf welcher diese sich unwidersprochen der ganzen Welt in den schönsten Farben präsentieren können - so auch am 4. Februar, wenn in Peking die Olympischen Spiele eröffnet werden.

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