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Es geht um Ruhm und viel Geld. Zwei mächtige Investoren haben Millionen in Biontech und Curevac gesteckt - in die beiden deutschen Hoffnungsträger für einen Corona-Impfstoff.

Dievini und Athos - so heißen die beiden deutschen Firmen, die gerade viele Millionen in den Corona-Impfstoff investieren. Der Kampf um den Impfstoff enthält alle Zutaten für ein Drama: Geld, Ruhm und zwei mächtige Männer.

Dietmar Hopp (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Investor Dietmar Hopp setzt auf die Impfstoff-Forschung des Tübinger Unternehmens Curevac. Picture Alliance

Das Rennen um den Corona-Impfstoff ist auch ein Wettbewerb der Geldgeber

Zwei berühmte Geldgeber haben Millionen in die deutschen Impfstoff-Firmen gesteckt: Dietmar Hopp, der sein Geld mit SAP gemacht hat, und Thomas Strüngmann aus der Hexal Pharma-Dynastie. Sie sind beide über 70, beide sehr reich und beide kurz davor, als Retter in die Geschichte einzugehen. Zur Zeit hat Strüngmann mit seiner Beteiligungsgesellschaft Athos die Nase vorne. Er hat auf Biontech gesetzt.

Das Strüngmann-Vermögen verwaltet der Chef von Athos, Helmut Jeggle. Er erinnert sich an die Anfänge von Biontech mit Ugur Sahin, Vorstandsvorsitzender und Mitgründer von Biontech. Dieser habe Sorgen gehabt, Investoren zu finden, die über lange Zeiträume hinweg Geld geben und nicht schnell an einen Austieg denken.

Die Brüder Thomas und Andreas Strüngmann (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Die Zwillingsbrüder Thomas und Andreas Strüngmann haben Hexal gegründet und halten über ihre Beteiligungsgesellschaften Santo Holding und Athos Service GmbH Anteile an Firmen im Bereich Gesundheit und Biotechnologie. Picture Alliance

Langer Atem beim Investment in Biontech hat sich ausgezahlt

Helmut Jeggle hat mit Athos durchgehalten und ist nicht ausgestiegen. Der lange Atmen und die Investitionssumme von 200 Millionen Euro haben sich ausgezahlt. Der Aktienkurs von Biontech steigt steil an, Regierungen auf der ganzen Welt stehen Schlange. 

Der Corona-Impfstoff macht berühmt - aber macht er auch reich?

Ja, der Impfstoff kann reich machen. Dafür muss aber einiges richtig laufen. Dominik Jasinski analysiert bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) den Pharmamarkt. Für ihn kommt es auf die richtige Streuung des Investments an. Niederlagen und Rückschläge prägten die Märkte für Pharma und Biotechnologie, mit Erfolgsraten von unter zehn Prozent.

Wie heiß ist der Konkurrenzkampf zwischen Biontech und Curevac?

Es ist also ein bisschen wie beim Roulette. Man muss möglichst viele Zahlen abdecken, um dann das große Häufchen einzustreichen. Dieses Spiel betreibt seit Jahren Friedrich von Bohlen mit den Hopp-Milliarden. Von Bohlen ist selbst Naturwissenschaftler und hat seit Jahren Curevac im Auge. Auf die Frage, ob es ihn ärgert, dass Biontec nun weltweit Schlagzeilen macht, weist von Bohlen darauf hin, dass es neben Schnelligkeit auch auf Qualität, Preis und Verfügbarkeit ankomme. Und er beglückwünscht Biontech.

Von Konkurrenz will man auch bei Biontech in Mainz nichts wissen. Im Gegenteil, bei Milliarden Impfdosen werde jede Firma gebraucht. Für Helmut Jeggle von Athos ist es vor allem ein Erfolg für Deutschland und den Südwesten:

„Dass wir hier bei einem so wichtigen Thema zwei von den drei führenden Firmen in Deutschland haben, finde ich einen sensationellen Erfolg. Ich hoffe, dass es auch in der Langzeitwirkung hilft, innovative Themen in Deutschland anders zu positionieren.“

Helmut Jeggle, Athos Service GmbH

Hohe Erwartungen an Boten-RNA- oder messenger RNA-Therapie

Biontech aus Mainz und Curevac aus Tübingen haben einiges gemeinsam. Nicht nur, dass beide aus dem Südwesten kommen und zwei berühmte Geldgeber im Nacken haben, beide setzen auch auf die messenger RNA-Therapie, bei der die Anleitung für Antikörper gespritzt wird. Diese Therapie, so von Bohlen, könnte noch ganz andere Krankheiten heilen. Eine Zukunftsvision: jede Krebsart damit individuell behandeln zu können.

In solchen Erwägungen scheint die Hoffnung durch, in die Geschichte einzugehen als Retter vor Krankheiten wie Krebs, Aids und Corona. Das mag eine Motivation für Männer wie Dietmar Hopp oder Thomas Strüngmann sein, ihre Milliarden in den unberechenbaren Pharmamarkt zu investieren. Aber man könnte auch sagen: No risk, no fun.

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Wo das Risiko hoch ist, lassen sich auch enorme Gewinne einstreichen. So ist es auch im Falle des Corona-Impfstoffes. Geht man von rund 20 Dollar pro Dosis aus, würde allein die EU knapp sechs Milliarden Euro an Biontech überweisen. Nach vielen Jahren des Zuschießens dürften also Thomas Strüngmann und Dietmar Hopp endlich auch finanzielle Früchte ernten - neben dem Ruhm.

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