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Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hält Laien-Schnelltests für eine wichtige Brücke zur Schulöffnung. Dass ihre Dissertation ein drittes Mal geprüft wird, habe sie nicht erwartet, sagte sie im Interview der Woche mit SWR-Hauptstadtkorrespondent Kilian Pfeffer.

Die Bundesfamilienministerin sieht es positiv, dass es bei den Schulen erste Öffnungsschritte gibt. "Es ist einfach nötig, dass wir gerade für die Kleineren, die auch noch größere Schwierigkeiten haben, sich selbst zu beschäftigen, (...) wieder zurückkehren, damit Bildungslücken - aber vor allen Dingen auch Bindungslücken - wieder aufgeholt werden", sagte Giffey im SWR Interview der Woche.

Die Familien und die Kinder litten unter dem eingeschränkten Betrieb. Natürlich müssten die Öffnungen verantwortungsvoll passieren. So müssten Abstands- und Hygienemaßnahmen sowie die Trennung der Kleingruppen eingehalten werden. Zudem müsse vermehrt getestet und zügig geimpft werden. Die "Laientests" seien dabei eine wichtige Entwicklung - damit könne sich das Personal zu Hause selbst testen.

"Ich denke, dass das eine große Veränderung sein kann für ganz, ganz viele Bereiche, nicht nur für den Kita- und Schulbereich. (...) In vielen anderen Bereichen der Gesellschaft ist das Testen einfach die Brücke zum Impfen. Und diese Brücke wird durch die Laientests verbreitert."

Franziska Giffey

"Sehr einmaliger Vorgang, dass eine Dissertation dreimal geprüft wird"

Die Freie Universität (FU) Berlin hatte Giffey im Oktober 2019 eine Rüge erteilt - dafür, dass es in ihrer Dissertation Mängel gebe. Das Gesamtbild rechtfertige aber nicht die Entziehung des Doktorgrades, hatte die FU argumentiert. Die Rüge gab es dafür, dass Giffey die Standards wissenschaftlichen Arbeitens nicht durchgängig beachtet habe.

Dann wurde aber beschlossen, dass die Arbeit noch einmal überprüft werden soll. Giffey hatte darauf angekündigt, ihren Doktortitel nicht mehr zu führen. Jetzt ist trotzdem ein neues Prüfgremium zusammengetreten.

"Also sie wurde ja 2009/10 einmal geprüft, dann 2019. Und dann gab es eigentlich ein abgeschlossenes Verfahren. Das ist mir auch so mitgeteilt worden, ist ja ein Verwaltungsakt, der bescheidet wird. Und das Verfahren ist abgeschlossen gewesen. Und dass ein Verfahren sozusagen ein drittes Mal aufgenommen wird, um eine Arbeit zu prüfen, ist schon ein einmaliger Vorgang. Ich kann das nur so hinnehmen."

Franziska Giffey zur erneuten Prüfung ihrer Dissertation

Fast ein Jahr lang habe eine hochkarätige Kommission darüber bewertet und sei zu einem Gutachten gekommen. Eine Entscheidung sei gefallen. "Und diese war für mich bindend. Und dass aufgrund von Gutachten, die dann noch mal extra in Auftrag gegeben worden sind, das Ganze nun noch mal neu beginnt, damit hätte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet", so die SPD-Politikerin - und fügt hinzu: "Ich lasse mich in meiner Arbeit als Bundesfamilienministerin davon nicht beirren."

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