Mehr als die Hälfte der Intensivstationen in Baden-Württemberg müssen wegen Personalmangels ihren Betrieb einschränken. (Foto: IMAGO, Shotshop)

Intensivstationen in Baden-Württemberg

Personalnot: Intensiv am Limit

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Johannes Schmid-Johannsen
Johannes Schmid-Johannsen (Foto: SWR)
Ulrich Lang
Ulrich Lang (Foto: SWR)
Nico Heiliger
Nico Heiliger (Foto: SWR)

Die Hälfte der Intensivstationen in Baden-Württemberg läuft mit eingeschränktem Betrieb. Daran ändert auch die Corona-Warnstufe nicht viel, wenn sie am Mittwoch in Kraft tritt.

In Baden-Württemberg melden so viele Intensivstationen wie noch nie zuvor in der Pandemie Probleme. Laut DIVI-Intensivregister geben 65 Kliniken einen eingeschränkten, weitere 21 Kliniken einen teilweise eingeschränkten Betrieb an. Ein regulärer Intensivbetrieb sei demnach nur noch in rund 25 Kliniken in Baden-Württemberg möglich. Die reine Belastung durch COVID-19-Patienten sei dabei nicht ausschlaggebend. Als Hauptursache geben mehr als 80 Kliniken aktuell Personalprobleme an. Auch hier stellt sich die Lage auf den Intensivstationen so schlecht dar wie noch nie zuvor. Das geht aus Daten des Intensivregisters hervor, die dem SWR vorliegen.

Mehr als 280 Intensivpatienten: Warnstufe tritt Mittwoch in Kraft

Gleichzeitig stieg die Zahl der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen in Baden-Württemberg weiter an. Am Dienstag sind laut Intensivregister mindestens 280 Betten belegt. Dies wird sehr sicher am Mittwoch die "Warnstufe" in Baden-Württemberg auslösen. Nach Ansicht von Christian Karagiannidis, dem wissenschaftlichen Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) ist die akute Versorgung aktuell gewährleistet: "Im Moment glaube ich, dass die Notfälle versorgbar sind, es wird aber regional enger." Karagiannidis rechnet aber mit Einschränkungen beim Betrieb der Intensivstationen: "Die erste Stufe wird sein, Patienten über weitere Strecken zu verlegen. In der zweiten Stufe wird das Operationsprogramm zumindest punktuell wieder reduziert, um Personal freizumachen."

Geplante Operationen wieder absagen?

Bereits in den vorherigen Infektionswellen mussten Kliniken geplante Operationen verschieben und Patienten zur Versorgung in weiter entfernte Kliniken überführen, um die Notfall- und Covid-19-Versorgung zu ermöglichen. Die Daten des Intensivregisters zeigen allerdings, dass sich die Ausgangslage beim Personal in den Kliniken im Vergleich zu den vorherigen Corona-Infektionswellen verschlechtert hat. Steigen die Covid-19-Fälle auf der Intensivstation weiter an, fürchtet Karagiannidis weitere Abgänge beim medizinischen Personal: "Dieses Mal wird es erheblich schwieriger umzuschichten, weil die Stimmung deutlich schlechter ist und die Bereitschaft, dies zu tun, geringer ausfallen wird. Meine eigentliche Angst ist, dass wir wieder 10 bis 30 Prozent Pflegekräfte verlieren in diesem Winter. Dann kommt das System irgendwann ins Wanken, zumindest bei kleinen Stationen."

Das DIVI-Intensivregister ist eine vom Robert Koch-Institut und der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) entwickelte digitale Plattform zur Echtzeiterfassung von Fallzahlen intensivmedizinisch behandelter Covid-19-Erkrankter. In Baden-Württemberg übermitteln täglich fast 130 Akut-Krankenhäuser ihre Daten zu Behandlungs- und Bettenkapazitäten sowie zur Betriebssituation.

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