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Immer mehr Corona-Infizierte erkranken schwer und müssen auf der Intensivstation beatmet werden. Das zeigt eine SWR-Datenanalyse. Noch reichen die Kapazitäten für eine gute Versorgung. Aber wann ist das Limit erreicht?

Wie gut sind die Intensivstationen vorbereitet?

Operationssäle werden zu neuen Intensivstationen umgewidmet, die Kliniken bestellen neue Beatmungsgeräte. Seit Wochen bereiten sich deutsche Intensivstationen darauf vor, möglichst viele COVID-19-Patienten gleichzeitig behandeln zu können. Obwohl immer mehr Patienten durch das neue Coronavirus schwer erkranken, haben fast alle Intensivstationen noch genügend Betten frei. Das zeigt das neue Intensivbettenregister der Deutschen interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI).

Wie lange werden COVID-19-Patienten auf der Intensivstation behandelt?

In den Intensivstationen werden nur die schwer kranken COVID-19-Patienten behandelt. Einige Patienten können die Intensivstationen nach wenigen Tagen wieder verlassen. Die meisten schwer erkrankten Infizierten müssen aber mehrere Wochen beatmet werden. In der Lunge kommt es dann zu ungewöhnlich starken Entzündungen. Die Lunge kann weniger Sauerstoff aufnehmen – deshalb müssen die Patienten zusätzlich beatmet werden. In Extremfällen kann eine Lungenersatzmaschine die Funktion der Lunge übernehmen. Werden die Patienten beatmet, liegen sie laut ersten Studien in China im Schnitt rund 17 Tage auf Intensivstationen. Eine fundierte Analyse aus Deutschland gibt es bisher nicht. Doch einige deutsche Intensivstationen melden laut DIVI deutlich längere Beatmungszeiten – statt zwei eher drei Wochen.

Die Beatmung von COVID-19-Patienten ist komplex. Für das Team einer Intensivstation sind diese Patienten eine große Herausforderung. Die Maschinen müssen permanent auf die Situation des Patienten angepasst werden. Im Video sehen Sie, worauf die Intensivmediziner und -Pfleger achten müssen, wenn Intensivpatienten an einer Beatmungsgerät angeschlossen sind.

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Wo werden die meisten COVID-19-Patienten behandelt?

In Baden-Württemberg und Bayern ist derzeit die Anzahl von COVID-19-Patienten auf den Intensivstationen am höchsten. Diese Zahlen sind wenig überraschend, denn hier haben sich pro 100.000 Einwohner am meisten Menschen mit dem neuen Coronavirus angesteckt.

Warum werden die Zahlen immer wichtiger?

Die Daten zeigen ein reales Bild in den Krankenhäusern. Die Intensivstationen melden, wie viele COVID-19-Patienten gerade behandelt werden. Viel wichtiger sind aber die noch freien Intensivbetten. Die Kliniken schätzen jeden Tag neu ein, wie viele Betten sie im Notfall in den nächsten 24 Stunden zu Verfügung stellen könnten. Dabei versuchen die Kliniken auch abzuschätzen, wie viele Betten in den nächsten 24 Stunden frei werden. Auch die Notkapazitäten werden jeden Tag neu eingeschätzt. Mit diesen Daten können Mediziner und Politiker die Lage in den Intensivstationen genau beobachten und auch Trends ablesen.

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Alle Maßnahmen wie Schulschließungen und Kontaktverbote haben das Ziel, die Intensivstationen zu entlasten. Möglichst wenige Menschen sollen sich mit dem neuen Coronavirus gleichzeitig anstecken, damit vergleichsweise wenige Infizierte auf den Intensivstationen behandelt werden müssen. Ob das gelingt, können die Politiker auf Basis dieser Daten genau beobachten. Sollte sich zeigen, dass die Intensivstationen auch in den nächsten Wochen nicht an ihre Kapazitätsgrenze kommen, könnten weitere Maßnahmen wieder gelockert werden.

Wie viele Kliniken melden an das Intensivregister?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat eine Verordnung erlassen, die alle Krankenhäuser mit Intensivstation verpflichtet, eine tägliche Meldung an das Intensivregister abzugeben. Seit diese Verordnung wirksam ist, melden nahezu alle Kliniken ihre Kapazitäten. Damit ist das Intensivregister von DIVI und Robert Koch-Institut eine verlässliche Quelle, um die Auslastung des deutschen Gesundsheitswesens durch COVID-19-Patienten zu bewerten.

Wann kommen die Intensivstationen an ihr Limit?

Immer mehr COVID-19-Patienten landen auf den deutschen Intensivstationen - vor allem in Baden-Württemberg und Bayern. Schon jetzt gibt es erste Intensivstationen, die zumindest kurzfristig schließen müssen. Neue Patienten können dann nur noch aufgenommen werden, wenn andere COVID-19-Patienten verlegt werden - möglicherweise auch in andere Bundesländer.

Auf Grundlage des neuen Intensivbettenregisters möchte die DIVI zusammen mit dem Robert Koch-Institut auch die Entwicklung für die nächsten Tage voraussagen. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob die Zahl der freien Intensivbetten ausreicht und mit wie vielen neuen COVID-19-Patienten die Intensivstationen deutschlandweit rechnen müssen. Noch ist keine Voraussage veröffentlicht.

Warum sehe ich nicht, wie viele Intensivbetten in einer Klinik frei sind?

Mit dem neuen Intensivbettenregister sollen sich vor allem die Kliniken besser abstimmen können. Falls eine Intensivstation keinen Patienten mehr aufnehmen kann, können Patienten so schneller verlegt werden. Wie viele Betten in den einzelnen Kliniken frei sind, können aber nur die Kliniken sehen. Damit soll verhindert werden, dass schwer kranke Patienten gezielt einzelne Kliniken ansteuern.

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