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Insektenküche Maikäfer als Suppe, roh oder kandiert?

Für den Mai haben wir ein altes Rezept wieder ausgegraben. Das hat richtig Tradition als Mai-Mahlzeit in Deutschland: Maikäfer-Suppe. Kein Scherz - warum die Idee gar nicht so absurd ist.

Flügel und Beine müssen weg

Maikäfer: Flügel und Beine müssen weg für die Suppe

Petra Haubner, SWR Umwelt und Ernährung, nennt die Zutaten und erklärt, warum die Idee gar nicht so absurd ist

Das Rezept für Maikäfer-Suppe:

Jetzt fehlt nur noch die entsprechende Einlage

Jetzt fehlt nur noch die entsprechende Einlage

Man nehme etwa 30 frisch gefangene Maikäfer, etwas Butter, Mehl und 125 ml Hühnerbrühe.

Den Maikäfern reiße man Flügel und Beine ab, röste die Körper in heißer Butter bis sie knusprig sind und koche sie mit der Hühnerbrühe, bis sie gar sind. Die Suppe zum Schluss mit etwas Mehlschwitze abbinden - und fertig ist eine Portion Maikäfer-Suppe.


Beilage: Weißbrot und Taubenbrüstchen

Geschmacklich soll das Ganze übrigens an Krebssuppe erinnern. Dazu reichte man früher gerne etwas geröstetes Weißbrot und ein Taubenbrüstchen. Maikäfer-Suppe war vor 200 Jahren Standard in vielen deutschen und französischen Küchen. So schrieb der hessische Medizinalrat Johann Joseph Schneider 1844 im Magazin für die Staatsarzneikunde: "Maikäfersuppen - ein vortreffliches und kräftiges Nahrungsmittel."

Variationen vom Maikäfer zur Stärkung

Insekten-Lolly zum Dessert?

Insekten-Lolly zum Dessert?

Außerdem gab es damals noch Maikäfer roh, Maikäfer in der Suppe und Maikäfer kandiert zum Nachtisch. Kurz: Der Maikäfer galt als handelsübliches Nahrungsmittel. Auch wenn die Herstellung sämtlicher Maikäfergerichte ziemlich brutal klingt - die armen Dinger wurden ja bei lebendigem Leib gegessen, zerhackt, geröstet und kandiert. Das war aber vor über 200 Jahren noch einigermaßen egal - Hauptsache, es hat geschmeckt.

Außerdem sind sie ja eiweißreich, nahrhaft und gesund - und das macht heute wieder die Runde. Auf dem Kochportal chefkoch.de im Internet fragt zum Beispiel eine Schreiberin zum Thema Maikäfer-Suppe: "Schmeckt die nur frisch zubereitet im Mai oder kann man sie einfrieren?" Die Antworten auf ihre Frage rangieren zwischen Entsetzen, Ekel und Begeisterung.

Insekten als Nahrungsmittel - und ihr Imageproblem

Aber wenn man es genau nimmt, sieht so ein Maikäfer auch nicht merkwürdiger aus als ein Krebs oder eine Muschel. Die Insekten haben im Grunde nur ein Imageproblem in Europa. Sie sehen eklig aus und deswegen wollen wir sie nicht auf dem Teller haben.

Wenn aber die Weltbevölkerung so stark wachsen wird, wie vorhergesagt, wird sich das zwangsweise irgendwann ändern müssen. Madengulasch und Heuschreckensalat oder vielleicht sogar Mehlwurm-Pfannkuchen? Die FAO weist schon lange auf die Vorzüge der Insekten hin: Insekten emittieren relativ wenig Treibhausgase und erfordern weniger Wasser als die Viehzucht - heißt es zum Beispiel in einem Bericht der UN-Umweltorganisation FAO.

In anderen Ländern gibt es Insekten auf den Teller

Traditionelle Küche in Vietnam: Wasserwanze

Vieh nehme weltweit etwa 70 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen ein - das Fleisch liefere aber nur 17 Prozent der Nahrungsenergie. Insekten enthalten außerdem hochwertiges Eiweiß, ungesättigte Fettsäuren, Mineralien und Vitamine, vermehren sich wie die Karnickel, sind platzsparend und umweltfreundlich zu züchten. Deswegen werden sie so heiß als Nahrungsmittel der Zukunft gehandelt.

Auch die internationale Küche sieht Insekten vor

Pizza garniert mit Heuschrecken, Grillen, Mehlwürmer - Insektenpizza

Insektenpizza mit Heuschrecken, Grillen und Mehlwürmern

So könnte also irgendwann Pfannkuchen mit karamellisierten Mehlwürmern oder Pasta mit Knoblauch-Grillen statt Steak mit Kartoffelsalat auf den Speisekarten stehen. Dazu vielleicht noch ein Seegras-Sößchen mit Algenpulver.

Wer weiß, vielleicht wird es dann auch wieder Maikäfer-Suppe als Vorspeise geben.

Maikäfer sind heute wieder vermehrt zu beobachten. Ein kleines Wunder, denn noch vor 40 Jahren galt der Käfer aufgrund des großflächigen Einsatzes von Insektiziden als fast ausgestorben. Doch bei Landwirten, Waldbesitzern und Winzern sind die Maikäfer inzwischen wieder gefürchtet. Der Grund: Sie richten massive Schäden an. Die Engerlinge, also die Larven der Käfer, fressen die Wurzeln vieler Pflanzen. Stellenweise befürchten Landwirte und Förster wieder eine Plage.

Online: Heidi Keller, Martina Schlick, Heide Martin