Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

Innenminister Lewentz (SPD) zur Flutnacht. Ein Kommentar

Ruhig und konzentriert die tödliche Gefahr verkannt

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Alle Plätze in der Einsatzleitung seien besetzt gewesen, erinnert sich der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) allmählich an den Abend vor der Flutnacht. Martin Rupps stellt sich vor, wie ein Airline-Chef nach einem Flugzeugabsturz erklärt: Alle Plätze im Tower waren besetzt.

In der 5. und 6. Klasse schreiben Schülerinnen und Schüler eine Erlebniserzählung. Sie lernen, Erlebtes spannend in Worte zu fassen. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) muss damals den Unterricht geschwänzt haben, wie seine inhaltsleere Stellungnahme zur Flutnacht im Ahrtal zeigt.

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) und der Landrat des Kreises Ahrweiler, Jürgen Pföhler (CDU) machen sich am Abend des 14. Juli 2021 ein Bild beim Hochwasser-Krisenstab: Dieses Foto verschickte die Kreisverwaltung.   (Foto: Kreisverwaltung Ahrweiler)
"Alle Plätze in der Einsatzleitung waren besetzt." Innenminister Roger Lewentz (im Vordergrund links) erinnert sich allmählich an den Abend vor der Flutkatastrophe Kreisverwaltung Ahrweiler

Alle Plätze in der Einsatzleitung seien besetzt gewesen, weiß sich der Minister an seinen Kurzbesuch am 14. Juli zu erinnern. Ich stelle mir gerade vor, wie Lufthansa-Chef Carsten Spohr nach einem Flugzeugabsturz seiner Airline versichert: "Alle Plätze im Tower sind besetzt gewesen." In der Einsatzleitung sei "ruhig und konzentriert" gearbeitet worden, so Lewentz weiter. Man möchte ergänzen: Genauso ruhig und konzentriert wurde die tödliche Gefahr verkannt.

Als eine Binsenweisheit erscheint mir auch Lewentz‘ Aussage, erst am folgenden Morgen sei das Ausmaß der Zerstörungen klar geworden. Natürlich, im Dunkeln sieht bzw. hört man nicht, ob ein Autounfall nicht nur den Kotflügel, sondern auch das Radio geschrottet hat. Die Umsicht und der Mut, Menschenleben zu schützen bzw. zu retten, kann nicht bis zum Morgen warten!

Minister musste "in aller Herrgottsfrühe" arbeiten

Roger Lewentz erzählt von diesem Abend vor der Katastrophe mit einer Lakonie, als sei er Skatspielen und einen heben gewesen. "In aller Herrgottsfrühe", jammert der arme Mann jetzt, habe er sich weitere Entwicklungen berichten lassen. Wie kam er selbst zu einer krassen Fehleinschätzung der Lage? Weshalb ist er nachts nicht in das Flutgebiet zurückgekehrt, wenigstens in eine nahegelegene, mit dem Auto erreichbare Einsatzzentrale? Den 133 Toten der Hochwasserkatastrophe, den Hunderten von Verletzten und den tausenden Bewohnerinnen und Bewohnern im Ahrtal, die alles Hab und Gut verloren haben, bleibt der oberste Katastrophenschützer des Landes wichtige Antworten schuldig.

Ahrweiler

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