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Über die Erfolgsmeldung des Roten Kreuzes nach der ersten Impf-Woche mag sich Martin Rupps nicht freuen. Denn Politik und Verbände wecken so vor allem Enttäuschungen.

Laut einer Mitteilung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sind die Corona-Impfungen in Rheinland-Pfalz gut angelaufen. In einer Woche seien über 60 von 560 stationären Pflegeeinrichtungen im Land „erreicht“ worden. Er blicke mit Hochachtung auf das Geleistete, so der Landesvorsitzende des rheinland-pfälzischen DRK, Manuel Gonzalez.

Die 91-jährige Lieselotte Ziegler wird im Altenheim Maria vom Siege im Koblenzer Stadtteil Wallersheim mit ihrem Rollstuhl zur Corona-Impfung gebracht. Die Seniorin ist die erste Rheinland-Pfälzerin, die den Impfstoff erhält. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa Pool | Thomas Frey)
Lieselotte Ziegler hat als erste in Rheinland-Pfalz den Corona-Impfstoff erhalten picture alliance/dpa/dpa Pool | Thomas Frey

Nein, auch mit gutem Willen kann ich in dieser Erfolgsmeldung keinen Erfolg sehen – und fürchte, Nachrichten dieser Art werden in den kommenden Monaten auf uns niederprasseln. Impf-Dienstleister wie das Rote Kreuz stecken in einer Zwickmühle: Sie wollen Signale absetzen, dass etwas passiert, um die Geduld der Menschen im Lockdown zu stärken. Gleichzeitig enttäuschen sie mit den realen, niedrigen Zahlen, die zeigen, dass viele Frauen und Männer in Deutschland noch lange nicht geimpft werden können.

Licht am Ende eine endlos langen Tunnels

An dieser Zwickmühle haben meiner Meinung nach viele mitgebaut. Politik und Verbände haben mit Verweis auf die sensationell schnelle Impfstoff-Entwicklung harte Maßnahmen in Watte gepackt und persönliche Hoffnungen erzeugt. Sogar der Bundespräsident sprach vom „Licht am Ende des Tunnels“, ohne freilich zu sagen, dass moderne Tunnel viele Kilometer, sprich gefühlt endlos sein können.

Die Hoffnungsmacher erreichen mit ihrer Informationsstrategie, fürchte ich, genau das Gegenteil von dem, was sie wollen. Denn auch wenn jetzt viel mehr Impfstoff in Deutschland zur Verfügung stünde, gäbe es immer noch genug Gruppen, die bisher laut, aber vergeblich „Hier!“ schreien.

Ungewohnte Knappheit

Ehrlicher und glaubwürdiger fände ich es, Politik und Verbände würden die Knappheit des Gutes „Impfstoff“ beim Namen nennen. Sie würden sagen, dass alles viel länger dauert. Die meisten Menschen in Deutschland kennen Knappheit nicht mehr. Sie kaufen gierig knapp gewordenes Toilettenpapier oder stürmen raren Strandraum an Nord- und Ostsee.

Der Corona-Impfstoff ist kein schlichtes Konsumgut, sondern ein lebensverlängerndes Geschenk, das einigen Menschen aus triftigen Gründen früher zuteilwerden soll als anderen.

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