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Wir tun alles, um uns vor dem Coronavirus zu schützen. Schützenswert sind aber auch einige Besonderheiten unserer Sprache, meint Josef Karcher.

Im Fernsehen lief eine Reportage aus einem Impfzentrum. Der leitende Arzt trat auf. Er sagte: "Hier müssen die Impflinge dann rund eine halbe Stunde warten, bevor sie wieder gehen." Sein Wortgebrauch versetzte mir einen Stich. Impfling.

Die Kolumne von Josef Karcher können Sie hier auch als Audio hören:

Kindheitserinnerungen stellten sich ein wie eine Nebenwirkung. Damals kam der Amtsarzt mit dem Impf-Bus ins Dorf. Ein strenger älterer Herr in einem leicht vergilbten Kittel und mit sehr dicker Hornbrille. Recht forsch sagte er so etwas wie: "Impflinge, antreten!" Wir Kinder standen zitternd in unseren Unterhemdchen, warteten in Reih und Glied. Lange her. Damals Polio, heute Corona.

Sind wir nicht alle Impflinge, immer noch? Dabei glaubte ich, die Wortendung "-ling" sei irgendwie aus der Mode gekommen. Kaum ein Mensch sagt heute noch Lehrling. Das sind Auszubildende oder kürzer Azubis. Schreiberling gilt als Schimpfwort, der Fiesling ist nicht viel besser. Ganz zu schweigen vom Finsterling.

Pippi Langstrumpf mit Kling und Klang

Sprachkritiker raten sogar vom Begriff Flüchtling ab, es müsse Geflüchtete heißen. Das "Ling" am Ende habe einen schlechten Ruf. Es mache klein und sei letzten Endes diskriminierend. Da kommt wieder etwas Vergangenes ans Tageslicht. Astrid Lindgren hat in ihren Pippi-Langstrumpf-Geschichten die beiden tollpatschigen Polizisten wohl nicht umsonst Kling und Klang getauft.

"Ling" hat einen schönen Klang

Eigentlich hat das "Ling" einen schönen Klang. Aber wer hört heutzutage noch genau hin? Wir müssen aufpassen, dass die Silbe womöglich bald keinen Pfifferling mehr wert ist. Viele Pilzsorten in heimischen Wäldern würden sprachlich verschwinden. Der Schmetterling käme auf die "Rote Liste". Und erst recht der Liebling wäre extrem gefährdet, der es in diesen Gender-Zeiten sowieso besonders schwer hat, weil er als männliches Substantiv auch für Frauen gilt. Ich beantrage Artenschutz. Aber bei wem?

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