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SWR-Wirtschaftsredakteur Michael Wegmer (Foto: SWR, Michael Wegmer)
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Wer eine Immobilie kauft, muss ab diesem Mittwoch maximal die Hälfte der Maklerprovision übernehmen. Das Gesetz tritt am 23. Dezember in Kraft. Wir zeigen, was sich genau ändert.

Bisher übernimmt oft der Käufer komplett die Maklerprovision, die sich je nach Bundesland unterscheidet und inklusive Mehrwertsteuer bis zu 7,14 Prozent des Kaufpreises beträgt. Zum ersten Mal wird bundesweit einheitlich festgelegt, wer welchen Anteil an der Maklerprovision zahlt. Verkäufer und Käufer jeweils verbindlich die Hälfte. So hatte sich das bisher schon in einigen Bundesländern etabliert, in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zum Beispiel. In anderen, wie in Hessen, zahlte allein der Käufer. Dass die Regelungen sich in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich entwickelt haben, ist noch ein Relikt aus der Kaiserzeit. Damals war weder geregelt, wie hoch eine Provision sein darf, noch, wer sie zahlt.

Neues Gesetz: Ein Gewinn für alle Beteiligten

Geteilte Maklerkosten entlasten Immobilienkäufer vor allem in Städten, wo Häuser und Wohnungen sehr teuer sind. Da sich die Maklerprovision am Kaufpreis bemisst, können bei Objekten für hunderttausende Euro schnell hehntausende Euro Provision anfallen. Das neue Gesetz bringt mehr Rechtssicherheit für alle Beteiligten. Ein Immobilienkäufer muss seinen Anteil erst dann zahlen, wenn der Verkäufer seine Zahlung nachgewiesen hat. So soll vermieden werden, dass Makler dem Verkäufer Rabatte gewähren. Außerdem dürfen Maklerverträge nur noch schriftlich abgeschlossen werden. An der Höhe der Provisionen ändert das Gesetz aber nichts, sie wird vermutlich zwischen den Bundesländern unterschiedlich bleiben.

Kosten für Immobilienkäufer senken

Ziel des neuen Gesetzes ist, die Nebenkosten beim Immobilienkauf für die Käufer zu senken. Das ist eine Neuerung, die zumindest auf dem Papier allen hilft, die ein Haus oder eine Wohnung kaufen. Das Gesetz gilt bundesweit, es ist also nirgendwo mehr möglich, die Provision allein auf den Käufer abzuwälzen. Der hat ab sofort auch ein sogenanntes Zurückhaltungsrecht. Er muss seinen Teil der Provision erst dann zahlen, wenn der Verkäufer nachgewiesen hat, dass er auch gezahlt hat. Damit soll verhindert werden, dass Makler dem Verkäufer einen Rabatt gewähren, oder von ihm gar nichts verlangen. Dass also auch wenn in einem Bundesland schon halb halb galt, der Käufer doch deutlich mehr bezahlt hat.

Kritik von Verbraucherschützern

Verbraucherschützer kritisieren, dass sich die Höhe der Maklerprovision durch das Gesetz nicht ändert. Es gilt weiterhin das Gewohnheitsrecht, das heißt: Was bisher im Schnitt in dem jeweiligen Bundesland verlangt worden ist. In Rheinland-Pfalz sind um die sieben Prozent üblich, plus Mehrwertsteuer. Bei einer Immobilie, die 300.000 Euro kostet, wären das allein circa 25.000 Euro. Jetzt könnte aber folgendes passieren: Auch Verkäufer haben in Zukunft ein Interesse an einer niedrigen Maklerprovision, weil sie verbindlich die Hälfte davon zahlen. Also wird möglicherweise mehr verhandelt. Auch bisher schon waren Provisionen Verhandlungssache, die Prozentzahlen der Bundesländer waren eher Richtwerte. So könnten die Maklerprovisionen in Zukunft langfristig etwas sinken, in Deutschland sind sie im Vergleich mit anderen Ländern nämlich sehr hoch. Ob die Neuregelung tatsächlich eine Senkung der Nebenkosten für Immobilienkäufer bringt, ist umstritten. Eine Theorie: Verkäufer könnten ihren Anteil an der Maklerprovision von vorneherein auf den Verkaufspreis draufschlagen – dann würden Immobilien teurer werden, und damit auch die Nebenkosten für Käufer wieder steigen.

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