Eine Katze steht in Hamburgs erstem Katzen-Café, während im Hintergrund Besucher an Tischen sitzen. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Bildfunk, Christina Sabrowsky)

Im Visier des Veterinäramts

Meinung: Amtsschimmel mitten im Katzen-Café

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Stefan Giese
Bild von Stefan Giese  (Foto: SWR, SWR/Christian Koch)

In einem Katzen-Café gebe es zu viele Katzen, meint das Stuttgarter Veterinäramt und schreitet ein. Ein absurdes Wiehern des Amtsschimmels meint Stefan Giese.

Im Stuttgarter Westen gibt es ein ganz besonderes Café, eines mit Katzen. Doch damit ist wohl bald Schluss, denn der deutsche Amtsschimmel wiehert. Das Veterinäramt Stuttgart stört sich daran, dass sich im Café „deutlich mehr“ als die erlaubten zwei Katzen aufhalten. Der Café-Betreiber spricht von vier. Für das Amt Grund genug, dem Treiben ein Ende zu setzen.

Bild von Stefan Giese  (Foto: SWR, SWR/Christian Koch)
Die Meinung von Stefan Giese SWR/Christian Koch

Um ehrlich zu sein: Mich persönlich würden keine zehn Pferde (nicht einmal zehn Amtsschimmel) in dieses Etablissement bekommen. Zum Kaffee gibt’s Kuchen und Katzenhaare. Neben dem Tisch steht ein Kratzbaum. An der Decke hängen Laufflächen. Echt nicht mein Ding. Aber die Drohung des Veterinäramts, dem Café die Zulassung zu entziehen, ist für mich Ausdruck eines größeren Übels, der ausufernden Verbotskultur hierzulande.

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Immer ein Haar in der Suppe

Wen will das Amt hier eigentlich vor wem beschützen? Das Café muss sich seit seiner Eröffnung an strenge Auflagen zum Schutz der Tiere halten. Sie haben einen Rückzugsraum, dürfen von Gästen nicht hochgehoben, nicht mit Kuchen gefüttert und nicht mit Blitzlicht fotografiert werden. Den Gästen darf man unterstellen, dass sie sich der Szenerie ganz freiwillig aussetzen. Trotzdem sieht sich das Amt bemüßigt, den Betreibern mal eben mit dem Entzug der Existenzgrundlage zu drohen.

Wenn man sich auf eins verlassen kann in Deutschland, dann darauf: Es findet sich immer eine Behörde, die nach dem Haar in der Suppe fischt – und sei es noch so absurd wie eben zwei Katzen zu viel in einem Katzen-Café.

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