Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

Ikea-Aufbauservice im Check. Ein Kommentar

Ikeas Freud‘, des Kunden Leid

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Martin Rupps

Im SWR Marktcheck fällt der neue Ikea-Aufbauservice durch. Martin Rupps muss Regale und Schränke des Möbelriesen weiter selbst aufbauen.

Zu meinen zahlreichen Gendefekten gehört ein niedriger Ikea-IQ. Ich kapiere eine Ikea-Aufbauanleitung erst, wenn das Möbel falsch montiert vor mir steht. Umso neugieriger war ich auf den "Marktcheck"-Beitrag meiner Kollegin Stefanie Waldschmidt über einen neuen Ikea-Service. Das Möbelhaus hat eine Plattform für Monteurinnen und Monteure ins Leben gerufen, das wie Dating- oder Nachbarschaftsportale funktioniert. Per App kann ich eine Aufbauhilfe aus der Region buchen. Oder selbst "Tasker" werden, wie es neudeutsch heißt, sprich mich als Handwerker registrieren.

Handwerker  (Foto: Colourbox)
Der neue Ikea-Aufbauservice fällt im SWR Marktcheck durch

"Tasker" ohne Qualifikation

Was Stefanie Waldschmidt bei ihren Recherchen erlebt, ist tatsächlich erzählenswert. "Tasker" fragen am Telefon, ob sie ihr eigenes Werkzeug mitbringen müssen. Ikea-Mitarbeitende und die Plattform-Website erwecken den Eindruck, da gingen Fachleute ans Werk. Natürlich mit eigenem Werkzeug. Stefanie Waldschmidt will wissen, welche Qualifikation bei einem "Tasker" vorausgesetzt wird. Möbelaufbau ist nicht ihr Ding, aber auf dem Profilfoto für den Ikea-Aufbauservice posiert sie im Arbeitsanzug mit Werkzeugen. Ohne nähere Prüfung wird sie zum "Tasker" erklärt und erhält bald erste Terminanfragen.

Die "Marktcheck"-Recherche deckt auf, dass Ikea bei seinem Aufbauservice auf das Vertrauen von Kundinnen und Kunden setzt, aber selbst nicht vertrauenswürdig vorgeht. Für das Möbelhaus kommt das System günstig, weil es nicht länger gelernte – und damit teure – Monteure vorhalten muss. Das Risiko, auch der Schaden einer schlechten Arbeit, liegt beim Kunden. Ich werde notgedrungen meine Ikea-Möbel weiter selbst aufbauen. Mit dem gesparten Geld lade ich eine Freundin oder einen Freund zum Italiener ein.

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