STAND

Die evangelische Theologin Margot Käßmann ist schockiert von der hohen Zahl der Corona-Toten. Im SWR Interview der Woche bemängelt sie, dass so wenig über die Opfer gesprochen wird.

"Viele Menschen sind inzwischen sehr bedrückt", so Käßmann, weil immer mehr jemanden kennen, der verstorben sei. "Wir müssen mehr darüber sprechen, wer diese Menschen sind, wie sie gelebt haben", fordert die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Die Zahlen müssten Gesichter und Biographien bekommen. Dass so wenig über die Toten gesprochen werde, liege sicher daran, dass die Opfer nicht sichtbar seien, sagt sie im SWR Interview der Woche.

Käßmann: Das Alter der Opfer spielt eine Rolle

Überzeugt ist Margot Käßmann davon, dass hierbei das Alter der an den Folgen von Covid 19-Verstorbenen eine Rolle spielt: "Es liegt sicher auch daran, dass die meisten der Verstorbenen über 80 sind. Ich fürchte, dass es sehr anders wäre, wenn es alles junge Leute wären."

Das sage eine Menge darüber aus, wie wir das Alter in unserer Gesellschaft wertschätzen und würdigen. "Heißt das, wenn jemand alt ist und stirbt, ist das für die Gesellschaft nicht so relevant?"

"Wertschätzung für Pflegepersonal fehlt"

Käßmann betont im Interview die besondere Bedeutung des medizinischen Personals, des Pflegepersonals. "Wir können noch so viele Intensivbetten und Beatmungsgeräte haben, wenn sie das Personal nicht mehr haben, dann bricht das System wirklich zusammen." Man müsse alles tun, um ein solches Szenario zu verhindern.

"Mir fehlt die Wertschätzung für die Pflegekräfte", meint die Theologin. Jetzt werde geradezu ignoriert, was da geleistet werde. "Es tut mir fast weh, dass unsere Gesellschaft das so wenig wahrnimmt."

"Wir können noch so viele Intensivbetten und Beatmungsgeräte haben, wenn sie das Personal nicht mehr haben, dann bricht das System wirklich zusammen."

Margot Käßmann

Corona-Krise als Brennglas

Die aktuelle Situation habe wie ein Brennglas die bestehenden Probleme verschärft: die Einsamkeit vieler Menschen, die Belastung der Familien, der berufstätigen Mütter und Alleinerziehenden.

Trotzdem gibt sich Margot Käßmann zuversichtlich: "Die große Mehrheit in unserem Land hat sich solidarisch verhalten."

Mehr zum Thema

Corona-Krise: Updates, Zahlen und Informationen Live-Blog: Spahn: Im Februar kommen drei Millionen AstraZeneca-Impfdosen

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet im Februar mit drei Millionen Impfdosen von AstraZeneca. Britische Gesundheitsexperten sind erstaunt über die Aussagen ihres Premierministers und Rheinland-Pfalz können Ausgangssperren auch ohne 200er-Inzidenz kommen. Alle wichtigen Entwicklungen zum Coronavirus lesen Sie hier in unserem Live-Blog.  mehr...

Die SWR-Korrespondenten in Berlin im Gespräch Das SWR Interview der Woche im Überblick

Woche für Woche befragen unsere Korrespondenten in der Hauptstadt Berlin wichtige Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im "SWR Interview der Woche".  mehr...

STAND
AUTOR/IN