Abflugtafel am Hongkonger Flughafen (Foto: Reuters, REUTERS/Thomas Peter)

Haupthalle seit Tagen besetzt Proteste im Flughafen von Hongkong: Alle Flüge gestrichen

Wegen der anhaltenden Proteste in Hongkong haben die Behörden den Flugbetrieb vorerst eingestellt. Dort halten Demonstranten schon seit Tagen die Haupthalle besetzt.

Nur bereits eingecheckte Flüge würden noch durchgeführt, erklärte ein Flughafensprecher. Auch am Montag hatten sich wieder tausende Aktivisten im Flughafengebäude zu Kundgebungen versammelt. Sie sind Teil der seit Wochen andauernden Massenproteste in der chinesischen Sonderverwaltungszone. Die Demonstranten befürchten einen zu großen Einfluss der Regierung in Peking auf das Leben in Hongkong.

Keine Entschädigungszahlungen für Reisende: Proteste sind "höhere Gewalt"

Auch Reisende, die gar nicht direkt nach Hongkong oder über Hongkong fliegen, werden die Proteste spüren, meint der deutsche Luftfahrtjournalist Andreas Spaeth. Der Hong Kong International Airport sei ein wichtiges internationales Drehkreuz, so Spaeth im SWR.

Eine Entschädigung für Urlauber wird es aber wohl nicht geben. "Es gibt zwar eine Ausgleichszahlung, wenn eine entsprechende Stundenzahl an Verspätung überschritten wurde, aber das gilt nicht bei höherer Gewalt. Und ich denke, in diesem Fall würde jedes Gericht entsprechend urteilen", erklärte Spaeth. Der Flughafen Hongkong habe nicht mit solchen Protesten rechnen können.

Wirtschaftliche Folgen

Dazu kommt: Hongkong ist der größte Frachtflughafen der Welt. Deshalb seien die Proteste vor allem für Auto- und Computerhersteller ein Problem, sagte Spaeth: "Jede Art von Fertigung weltweit arbeitet inzwischen nach dem 'just in time'-Prinzip. Das heißt, es werden wichtige Einzelteile genau dann angeliefert, wenn ich sie als Hersteller gerade brauche. Darauf sind die Frachtflüge genau ausgerichtet."

Die finanziellen Folgen der ausbleibenden Frachtflüge lassen sich laut Spaeth noch nicht genau beziffern.

Eine Frage der Perspektive: "Terrorismus" und "Polizeigewalt"

Nach Ansicht der chinesischen Regierung zeigt die Gewalt in ihrer Sonderverwaltungszone Hongkong erste Zeichen des Terrorismus. In den vergangenen Tagen hätten Demonstranten oft extrem gefährliche Werkzeuge gegen Polizisten eingesetzt, sagte ein Sprecher der zuständigen Behörde. Das seien schwere Verbrechen, bei denen "Sprösslinge des Terrorismus" aufkeimten.

REDAKTION
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