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Der ehemalige Chefredakteur des Fußball-Magazins "Kicker", Rainer Holzschuh, macht Bundestrainer Jogi Löw schwere Vorwürfe. Von einer Ablösung zum gegenwärtigen Zeitpunkt hält er aber nichts - trotz des 0:6-Debakels gegen Spanien.

Die Niederlage im letzten Länderspiel des Jahres, zugleich die höchste einer deutschen Nationalmannschaft seit 89 Jahren, macht den Fußballexperten Holzschuh fassungslos: "Das ist in etwa so, wie sich die Brasilianer 2014 beim 1:7 gegen uns gefühlt haben", sagte Holzschuh im SWR. Am DIenstagabend verlor die DFB-Elf im Gruppenspiel der Nations League mit 0:6 in Spanien.

Holzschuh: Kritik an Löw berechtigt

Dabei verfüge Deutschland über gute Spieler, so Holzschuh. Das hätten die überzeugenden internationalen Auftritte von Champions-League-Sieger Bayern München, RB Leipzig und Borussia Dortmund gezeigt. "Das ist wirklich etwas, was einen zum Nachdenken zwingt", meint der Journalist.

Holzschuh hält die wachsende Kritik an Bundestrainer Joachim Löw für berechtigt: "Wenn eine Mannschaft so untergeht, wenn eine Mannschaft in den letzten Jahren kaum mal ein wirklich überzeugendes Spiel geleistet hat, dann muss man natürlich auch nachdenken, wer dafür verantwortlich ist. Und der Verantwortliche ist immer der Trainer."

Dem Team fehlen Leitfiguren

Holzschuh sagte, er könne sich nicht an ein einziges überzeugendes Länderspiel in diesem Jahr erinnern. "Dieser schleichende Abgang muss ganz genau aufgearbeitet werden", fordert Holzschuh. Ihn wundere, dass niemand, nicht einmal der erfahrene Rekord-Nationaltorhüter Manuel Neuer, verstanden habe, die Mannschaft aufzurütteln.

Dass die Mehrheit der Nationalspieler noch jung sei, lässt Holzschuh nicht als Entschuldigung gelten: "Es waren gestern fünf Spieler vom FC Bayern dabei und das sind alles Spieler, die schon seit drei, vier, fünf Jahren international gereift sind und Erfahrung haben müssen."

Kein geeigneter Nachfolger für Löw in Sicht

Trotzdem ist Holzschuh nicht dafür, sich jetzt von Nationaltrainer Löw zu trennen: "Man kann einen Trainer immer nur dann entlassen, wenn man auch einen Nachfolger parat hat."

Der DFB stehe aber vor dem Problem mitten in der Saison einen Ersatz zu finden, der nicht nur Interimstrainer bis zur Europameisterschaft im kommenden Jahr sein solle, sondern einen Neuaufbau des DFB-Teams erreichen könne. "Den sehe ich weit und breit momentan nicht."

Flick oder Klopp haben feste Verträge

Trainer, die Holzschuh für geeignet hält, seien derzeit anderweitig unter Vertrag: "Der Beste wäre natürlich für meinen Begriff der jetzige Bayern-Trainer Flick oder Klopp aus Liverpool."

Holzschuh rät den DFB-Verantwortlichen, die Liste der verfügbaren Trainer "durchzuackern": "Christoph Daum wäre frei, Felix Magath wäre frei – aber was will man mit denen? Ich glaube, sie würden uns auch keinen Millimeter nach vorne bringen."

Keller: Weiter so mit Löw

DFB-Präsident Fritz Keller betonte am Mittwoch, dass Löw zumindest bis zur Europameisterschaft im kommenden Sommer Bundestrainer bleiben soll. Die von Löw geschassten Ex-Weltmeister Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng sollen nicht zurückkehren.

"Wir haben uns bewusst entschieden, den Umbruch mit vielen neuen und jungen Spielern mit Perspektive zu vollziehen. Dieser Weg kann, wie man gestern gesehen hat, der steinigere sein und auch zu schmerzhaften Niederlagen führen", hieß es in einer Erklärung Kellers.

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