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Wegen Corona platzen Bauvorhaben junger Familien. Sie wollen nicht mehr für ein Haus leben und arbeiten so wie frühere Generationen, meint Martin Rupps.

Der jungen Familie Eisenring aus Mandern (Kreis Trier-Saarburg) ist ihr Traum vom Eigenheim zerplatzt. In SWR Aktuell berichtet sie, dass 100.000 Euro Mehrkosten für das teurer gewordene Bauholz eine zu große Belastung gewesen wären, worauf sie die Kaufoption für das Grundstück zurückgeben mussten. "Man will ja nicht nur für sein Haus leben", sagt Jenny Eisenring. Der Manderner Bürgermeister Tim Kohley sieht darin kein Problem der Eisenrings allein. "Für Normalverdiener gibt es da fast keine Möglichkeiten mehr, ein Haus zu bauen."

Weil der Preis für Bauholz in die Höhe schießt, müssen junge Familien ihre Kaufoption für Grundstücke zurückgeben (Foto: SWR, SWR)
Weil der Preis für Bauholz in die Höhe schießt, müssen junge Familien ihre Kaufoption für Grundstücke zurückgeben SWR

Ich erwähne die Geschichte, weil sie zwei Herzen in mir rührt. Das eine Herz will sich nicht in das vermeintliche Luxusproblem eines Ehepaars einfühlen, das einen Mercedes kaufen möchte, aber einen Opel bekommt. Das Geld reicht jetzt nur, erfahren wir, zum Umbau eines alten Hauses im Ort – aber was heißt nur? Mit diesem Herzen erinnere ich mich auch daran, wie die Generation meiner Eltern zu Eigentum gekommen ist. Sie war sehenden Auges bereit, nur für ihr Haus zu leben, um Jenny Eisenrings Worte aufzunehmen. Damals folgte auf den Hausbau eine jahrelange materielle Durststrecke. Jeder Pfennig wurde zweimal umgedreht.

Mein anderes Herz findet diese Sichtweise ziemlich ungerecht. Eigene Erfahrungen – in diesem Fall Entbehrungen – können nicht Maßstab für andere sein. Dass die Eisenrings trotz Hausschulden noch Essen gehen und Urlaub machen wollen, ist verständlich. Mit diesem Herzen finde ich es auch traurig, dass junge Familien aus eigener Kraft kein Haus bauen können, nicht einmal im superreichen Deutschland. Das klappt nur mit einem Zuschuss der Eltern oder einer Erbschaft. Sprich mit Geld, das sich eine frühere Generation vom Mund abgespart hat.

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