Nachdenklich wirkt am Montag (26.10.1998) in der Villa Hammerschmidt in Bonn der scheidende Bundeskanzler Helmut Kohl (r), bevor ihn Bundespräsident Roman Herzog mit dem Großkreuz des Bundesverdienstordens auszeichnet.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Bildfunk, Gero Breloer)

Höchstes Bundesverdienstkreuz für Angela Merkel

Meinung: Ein Orden fürs Sitzfleisch

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Martin Rupps
Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel bekommt den höchsten Verdienstorden hauptsächlich für ihr langes Regieren, meint Martin Rupps. Und das zu einer Zeit, da ein Teil ihres politischen Lebenswerks in Scherben liegt.

Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erhält am Montagabend aus den Händen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) die höchste Auszeichnung, die das Land zu vergeben hat, das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland in besonderer Ausführung. Bisher haben nur die früheren Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) und Helmut Kohl (CDU) den Orden bekommen.

Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)
Die Meinung von Martin Rupps

Stillstand im Herbst von Merkels Kanzlerschaft

Helmut Kohl übrigens am Tag vor der Wahl seines Amtsnachfolgers Gerhard Schröder (SPD). Angela Merkel regierte vergleichbar lang wie Kohl. Offenbar verdient die höchste Auszeichnung, wer im Kanzleramt besonders viel Sitzfleisch gezeigt hat. Politisch haben Helmut Kohl und Angela Merkel im Herbst ihrer Amtszeit nicht mehr viel gerissen. Das Großkreuz belohnt die Kunst der Machterhaltung und den politischen Stillstand.

Die Demokratie braucht solche Dekor-Veranstaltungen nicht, sie schaden ihr. Die politische Elite erweckt den Eindruck, als feiere sie sich selbst. Herr Steinmeier ist ein Bundespräsident von Angela Merkels Gnaden.

Auch der Zeitpunkt der Verleihung erscheint mir unglücklich gewählt. Ein Teil von Angela Merkels Lebenswerk, ihre Energie-, Klima- und Verteidigungspolitik, liegt in Scherben. Auch das Großkreuz kann sie nicht mehr kitten.

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