Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

Hochwasserschutz in Rheinland-Pfalz. Ein Kommentar

Klüngelverdacht im Dreyer-Land

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Ein Mann aus dem Hunsrück warnt seit dem Hochwasser 2016 vor einer Flutkatastrophe im Land. Seine Behauptung, örtliche Klüngel machten ihr eigenes Ding, ist eine Überprüfung wert, meint Martin Rupps.

Zu dem Klügsten, was ich nach der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gelesen habe, gehört ein Interview mit dem Katastrophenforscher Martin Voss. Seine These lautet, der mitteleuropäische Mensch im 21. Jahrhundert habe den Umgang mit Katastrophen verlernt. "Wir erwarten solche Katastrophen hier bei uns nicht mehr, weil wir doch so hochtechnisiert und so wohlhabend sind".

Insul an der Ahr - die zerstörte Brücke (Foto: SWR, SWR)
Vor der Hochwasser-Katastrophe gab es in Rheinland-Pfalz Bürgerinnen und Bürger, die einen besseren Hochwasserschutz angemahnt haben SWR

Auf etwas, das außerhalb unserer Vorstellung liegt, verwenden wir keine Gedanken – oder zu wenig. Im Gegenteil, wir erhöhen zum Beispiel das Risiko von Hochwassern, indem wir die Landschaft bebauen und Flächen versiegeln.

Neues Bauland in potentiellen Überschwemmungsgebieten

Ein Mann aus dem Hunsrück, dessen Betrieb in Gemünden vor fünf Jahre unter Wasser stand, hat sich die Warnung vor Flutkatastrophen zur Lebensaufgabe gemacht. Seit Jahren schreibt er Briefe, in denen es um neues Bauland an Bachläufen und auf Überschwemmungsflächen geht. Städte und Gemeinden weisen diese Baugebiete aus, um Geld in die Kasse zu spülen. Oder dem Versiegeln von Wasserrückhalteflächen, ohne dass es andernorts einen (teuren) Ersatz gibt.

"Hinhalten, Ausreden, Falschdokumentationen, Tricksereien im Schriftwechsel, anmaßendes Verhalten der beteiligten Behörden", charakterisierte der Mann schon vor drei Jahren den Hochwasserschutz in Rheinland-Pfalz. Nachzulesen in seinem Brief an Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), der er beschied, die Verhältnisse am Ort nicht zu kennen. Nicht den lokalen Klüngel aus Politik und Wirtschaft, und mit Behörden, die auf diesem Auge blind seien. Jetzt ist eine gute Gelegenheit, finde ich, diese Verhältnisse unter die Lupe zu nehmen.

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