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Hightech gegen Diebe Einbrecher kommen gerne wieder

Die Zahl der Einbrüche ist hoch, die Aufklärungsquote niedrig. Mit Hilfe eines Computerprogramms, kurz "Precobs" genannt, will die Polizei das ändern.

Software gegen Einbrüche

Software gegen Einbrüche

Von Rolf Reinlaßöder, Reporter und Recherche

Verbrechensvorhersage durch Datenauswertung heißt der Schlüssel. "Predictive Policing" nennt sich diese Art der rechnergestützten Verbrechensbekämpfung. Sie basiert auf Statistik und der Erkenntnis, dass Profi-Verbrecher nach Mustern handeln und so für Computerprogramme berechenbar sind.

Die Einbrecher kommen gerne wieder

Auswertungen von Verbrechensdaten haben ergeben, dass nach einem Einbruch die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass es in den nächsten sieben Tagen im Umkreis von 500 Metern zu weiteren Einbrüchen kommt. Offensichtlich lassen sich die Täter davon leiten, dass sie nach dem ersten Einbruch das Wohngebiet kennen und wissen wo Alarmanlagen installiert sind und wie sie fliehen können.

Deshalb kommen Serientäter oft wieder, wenn sie in einem Stadtviertel erfolgreich waren. Obwohl die Bewohner durch die erste Tat alarmiert sind, bewerten die Diebe offenbar ihr Wissen über die Gegend höher. 72 Stunden nach dem ersten Einbruch ist die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Einbruchs am höchsten.

Vorhersage per Algorithmus

Die in Deutschland entwickelte Vorhersage-Software "Pre Crime Observation System", kurz "Precobs", prüft Tatzeit, Beute und Art eines Einbruchs. Wenn es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Berufseinbrecher handelt, gibt der Algorithmus der Polizei auf einer Karte die Hinweise, welche Straßen die Polizisten in den kommenden Tagen besonders im Blick haben sollten.

"Precobs" gibt auch gleich noch eine Empfehlung, ob es besser ist, offen zu patrouillieren, um Täter abzuschrecken oder verdeckt, um Einbrecher auf frischer Tat zu ertappen.

Einbrecher

Rund 150.000 Einbrüche gibt es jährlich in Deutschland.

Erfolgreiche Testphase

In den USA wird zum Beispiel in Atlanta und Los Angeles mit solcher Vorhersagesoftware bereits erfolgreich gearbeitet. Dort werden auch Datenpools angezapft wie die Standorte von Geldautomaten oder der Wetterbericht. Bei Regen gibt es weniger Straßendiebstähle.

In Zürich meldet die Stadtpolizei einen Rückgang um fast ein Drittel der Einbrüche, nachdem sie in einzelnen Stadtgebieten solchen Kriminalitäts-Vorhersagesoftware einsetzt. Das Programm wird mit Polizeidaten der vergangenen fünf Jahre gefüttert.

Muster erkennen

Der Algorithmus basiert auch auf Informationen, ob in ein Ein- oder Mehrfamilienhaus eingebrochen wurde und wie die Täter vorgegangen sind. Es geht immer darum, Muster zu erkennen. "Precobs" spuckt nach jedem Einbruch den Ermittlern eine Prognose aus, wo vermutlich in welchem Zeitraum weitere Einbrüche hochwahrscheinlich sind.

In den Alarmgebieten geschieht in 80 Prozent der Fälle tatsächlich ein Folgedelikt, behaupten die Softwarehersteller. Eine unabhängige wissenschaftliche Untersuchung gibt es allerdings noch nicht.

Kritik der Datenschützer

Geplante Delikte wie Einbruch oder Autodiebstahl können so offenbar recht gut vorhergesagt werden. Gegen Mord oder Totschlag aus dem Affekt ist die Software dagegen machtlos.

Datenschützer sind alarmiert. Sie befürchten, dass durch die Programme wie "Precops" bekannte Problemviertel, in denen unterprivilegierte Menschen leben, weiter stigmatisiert und dadurch Stereotypen der Polizei zementiert werden könnten.

Online-Redaktion: Peter Mühlfeit / Christine Trück