Jan Seidel (Foto: SWR, © SWR/Christian Koch, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im Rahmen einer engen, unternehmensbezogenen Berichterstattung im SWR-Zusammenhang bei Nennung Bild: SWR/Christian Koch (S2+), SWR Presse/Bildkommunikation, Baden-Baden, Tel: 07221/929-24429, foto@swr.de)

Zwei Minuten: Die Kolumne zum Wochenende

Helden in Kabul

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Jan Seidel

Auf dem Flughafen in Kabul erleben wir erschütternde Szenen: Verzweifelte Menschen auf der Flucht und Menschen, die ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen, um zu helfen. Das sind moderne Helden, meint Jan Seidel.

Der große amerikanische Film-Philosoph Rocky Balboa hat einmal sinngemäß gesagt: Der Unterschied zwischen einem Helden und einem Feigling ist der, dass der Held bereit ist, um die Sache zu kämpfen.
In der Welt der Sagen und Mythen ist der Held meistens bereit zum Risiko: stark, unerschrocken und immer unterwegs für die gute Sache. Sein Lohn ist am Ende die Bewunderung seiner Mitmenschen – und in der Regel reicht ihm das auch.

Die Kolumne von Jan Seidel können Sie hier auch als Audio hören:

Wir müssen im Moment keine amerikanischen Filme ansehen oder alte Sagen lesen, um Helden zu finden. Sie sitzen in Flugzeugen der Bundeswehr, sie fliegen nach Kabul, sie riskieren ihr Leben, um andere Leben zu retten. Wenn sie losfliegen, wissen sie nicht genau, wie die Lage sein wird, wenn sie landen – und sie wissen auch nicht, ob sie am Ende wieder starten können. Dazu sind sie mit Gerät unterwegs, dessen historische Mängelliste länger ist als eine Aufzählung der westlichen Fehler in der Afghanistan-Politik. Das erfüllt so ziemlich alles, was man von einem Helden erwarten kann.

Nur bei der Bewunderung, fürchte ich, könnte es mal wieder eng werden. So, wie schon damals bei den Helden in der Corona-Krise. Ich vermute mal: Wenn der Einsatz in Kabul vorüber ist, werden auch die Helden an Bord unserer A400M schnell wieder in Vergessenheit geraten. Wird das erste, das den Menschen zur Bundeswehr einfällt, wieder Spott sein. Wird vieles, das mutig, herausragend und berührend ist, untergehen im Kurzzeit-Gedächtnis und den schrägen Schlagzeilen der sozialen Medien.
Das wäre schade. Feiert diese Menschen und gebt ihnen Orden!

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