STAND
ONLINEFASSUNG

Der Hotel- und Gaststättenverband fordert die Zulassung der teils verbotenen Heizstrahler für die Außenflächen im Herbst und Winter. Was ist wichtiger: die Bilanz der Wirte oder fürs Klima?

Der Bundesverband der deutschen Gastronomen will die Umsatzeinbußen der Branche durch die Corona-Pandemie mit der Zulassung der teils verbotenen Heizpilze mindern. So sollen auch im Herbst und Winter mehr Gäste in den Außenbereichen bedient werden können. Zuvor hatte sich bereits der Hotel- und Gaststättenverband Baden-Württemberg dafür ausgesprochen. Durch die Heizstrahler sollen Wirte ihre Gäste auch bei kühleren Temperaturen draußen hinsetzen können und so die Abstandsregeln einhalten.

Auch der Deutsche Städtetag und ein FDP-Bundesfaktionssprecher haben erklärt, dass trotz der umweltpolitischen Bedenken ein verantwortlicher Einsatz in diesem Ausnahmejahr 2020 möglich sein müsste.

Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, sagte im SWR, er empfehle statt der Heizpilze jedem einen dickeren Pulli - für die Wirte einen Windschutz vor dem Lokal und Decken für die Gäste.

Viele Städte in Baden-Württemberg verbieten bislang Heizstrahler

Derzeit sind in unter anderem in Stuttgart, Ludwigsburg, Tübingen und der Altstadt von Konstanz Heizpilze verboten. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer, der als einer der ersten Gegner von Heizpilzen bekannt wurde, hat bereits eingeräumt, dass er dieses Jahr die Nutzung von Heizstrahlern ermöglichen will.

Pro Gas-Heizpilze für die Gastronomie

von Petra Thiele, SWR Aktuelle Wirtschaft

Heizpilze müssen dieses Jahr überall erlaubt sein. Damit Gastwirte die hohen Verluste aus dem Frühjahr halbwegs ausgleichen können - und auch, um drohende Pleiten zu verhindern. Außerdem sollten Gastwirte einheitlich behandelt werden. Es kann nicht sein, dass mancherorts Heizpilze verboten sind - und um die Ecke Gäste gemütlich mit Weinschorle an der Wärmequelle sitzen.

Dazu kommt noch der Gesundheitsaspekt: Es ist einfach sicherer an der frischen Luft als mit Virenwolken in aufgeheizten Kneipenräumen. Schon jetzt servieren kleine Lokale nur noch draußen, weil es sich drinnen nicht lohnen würde. Und alle Gastronomen sind froh, über die zusätzlichen Außenflächen.

Klar, für die Umwelt ist der Kohlendioxid-Ausstoß der Heizstrahler nicht toll. Aber wir haben so viele Flugreisen und Dienstfahrten gespart - unterm Strich bleibt die Schadstoffbilanz auch mit Heizpilzen sehr gut. Die Bilanz der Gastwirte wird es dieses Jahr nicht mehr!

Contra Gas-Heizpilze für die Gastronomie

von Werner Eckert, SWR Umwelt und Ernährung

Erst den Klimanotstand ausrufen, und dann die Innenstadt aufheizen als wär's ein Wohnzimmer. Das passt nicht zusammen. Auch die Erderhitzung ist eine Krise und es bringt doch nichts, die Folgen der einen Krise - also Corona - so zu bekämpfen, dass man die andere - die Klimakrise - verschärft. Man kann mit dem Gas für einen Heizpilz im Winter ohne weiteres auch ein modernes Niedrigenergiehaus in dieser Zeit warm machen. Also: Wenn diese Freiluft-Wärmeschleudern schon nicht ganz verboten werden, dann muss man diese Entscheidung schon wenigstens den Städten überlassen.

Und es gibt ja auch Lösungen für die Wirte: Infrarotstrahler aufbauen und mit 100 Prozent Erneuerbarem Strom aus neuen Anlagen betreiben. Die wärmen nicht die Luft, sondern die Menschen - und das wäre ein Super-Ausbauprogramm für Wind- und Sonnen-Energie.

Sollen Heizpilze in Lokalen während der Corona-Pandemie erlaubt sein?

Mehr zu Corona-Krise und Gastronomie

Kontaktverfolgung von Corona-Infizierten in der Region Bodensee-Oberschwaben Behörden verwenden nur selten Daten aus Gastronomie

Die Nachverfolgung der Kontaktpersonen von Corona-Infizierten bedeutet viel Arbeit für die Kreisgesundheitsämter. Auf die Daten, die in Restaurants und Wirtschaften erhoben werden, greifen sie dazu nur in seltenen Fällen zurück.  mehr...

Geschäfte und Gastronomie Mannheimer Einzelhandel: 20 Prozent Einbußen wegen Corona

Mannheimer Händler und Gastronomen müssen eigenen Angaben zufolge rund 20 Prozent Umsatzeinbußen wegen der Coronapandemie verdauen. Auch mit Blick auf den Herbst bleiben die Aussichten trübe.  mehr...

Corona: Dehoga fordert Unterstützung für Restaurants und Kneipen Heizpilz-Debatte: Umwelthilfe empfiehlt Pullover und Decken

Die Deutsche Umwelthilfe ist gegen eine Rückkehr der Heizpilze vor Restaurants und Bars. Der Gaststättenverband Dehoga hatte das gefordert, um dem gebeutelten Gewerbe zu helfen.  mehr...

STAND
ONLINEFASSUNG