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Hauptversammlung ADAC sucht neue Route

Der angeschlagene ADAC will Vertrauen und Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Die "Reform für Vertrauen" läuft. Weniger Kommerz, mehr Service für die Mitglieder ist das Ziel. In Saarbrücken will man Entscheidungen treffen. Kommt der ramponierte Club wieder auf die Füße?

Unfall mit Rückbankpassagieren

Der ADAC - selbst an die Wand gefahren?

Gespräch mit Alfred Schmit, SWR Wirtschaft und Soziales

Was muss sich ändern beim ADAC?

Beim ADAC wird sich so einiges ändern müssen. Er tritt ja nach wie vor als Club - im juristischen Sinne als "Verein" - auf. In vielen Dingen benimmt er sich aber wie eine Firma. Der ADAC nimmt alle Vorteile mit, die man als Club so hat. Zum Beispiel, dass man Steuern spart oder dass man sich um bestimmte rechtliche Einschränkungen eben nicht kümmern muss. Das finde ich nicht in Ordnung.

Falschfahrer-Schild

Der ADAC will sich neu orientieren

Mehr Glaubwürdigkeit, mehr Transparenz, das sind die zwei wichtigsten Reformen, die der ADAC braucht. Dieses Geflecht aus Tochter-Gesellschaften müsste durchsichtiger gemacht werden. Und es müsste sich personell einiges ändern. Es sind noch zu viele Leute an verantwortlichen Positionen, die verstrickt waren in die Skandale.

Die vielen Skandale gingen ja alle davon aus, dass manipuliert wurde. Beim Auto-Preis "Gelber Engel" wurde beispielsweise zugegeben, dass man geschummelt hat. Seitdem hat der ADAC sein Vertrauens-Problem. Alte Männer, die im Hinterzimmer Entscheidungen treffen, das ist der Eindruck, den der Club immernoch vermittelt - das finde ich, kann nicht so bleiben.

Kann der ADAC überhaupt "Club" - also juristisch ein Verein - bleiben?

Symbolfoto zum ADAC Manipulationsskandal: Über der Hauptzentrale des ADAC zeiht ein Gewitter auf.

Schwere Zeiten für Deutschlands größten Verein

Die Entscheidung liegt im Moment bei dem Münchner Gericht, das prüft, ob es so bleiben kann. Ich persönlich finde: Nein - der ADAC sollte kein Club bleiben dürfen. Die ganzen Produkte, die er verkauft - Versicherungen, Reisen, Flugbereitschaft - sind ja alles Leistungen, die man als Kunde kaufen kann. Dafür möchte ich als Kunden aber auch die Rechte haben, die mir zustehen, eine Geschäftsführung und einen Aufsichtsrat erkennen. Ich möchte, dass meine Firma, bei der ich Kunde bin, ihre Buchführung präsentiert und regulär Steuern bezahlt. All das fehlt ja zum großen Teil beim ADAC. Da erwarte ich mir für die Mitglieder eine Rund-Erneuerung.

Aber ich fürchte, die kriegen wir mit dieser Hauptversammlung nicht. Es sieht sehr danach aus, als ob der ADAC weitermachen will wie bisher, und nur abwartet, bis das öffentliche Interesse nachlässt - keine gute Entwicklung.

Wie sind die Chancen auf Durchsetzung von Reformen?

Relativ gering, denn es gibt kaum Kräfte, die ein Interesse haben an durchgreifenden Reformen. Die jetzigen Geschäftsführer beim ADAC und den vielen Tochter-Gesellschaften profitieren schließlich von dem System. Es gibt zwar ein Berater-Gremium, hochkarätig besetzt, das beim Reform-Prozess mithelfen soll. Aber die Chefin von Transparency Deutschland, Edda Müller, hat eingeräumt, dass sie auch nach zwei Sitzungen noch längst nicht durchblickt bei den Finanzen und Verflechtungen des Unternehmens ADAC - und das ist eine Frau, die Bilanzen lesen kann. Die Gefahr besteht, dass der ADAC weitermacht wie bisher, und nur abwartet, bis das öffentliche Interesse verflogen ist.

Erst 2015 soll ein neuer Präsident gewählt werden. Es gibt derzeit keinen geeigneten Kandidaten. August Makel, der kommissarische Präsident, führt die Geschäfte weiter bis zu den Neuwahlen.

Sind die ADAC-Mitglieder eingebunden in den Reform-Prozess?

Ein ADAC-Straßenwachtfahrer überprüft während einer Pannenhilfe den Motorraum. Hinter ihm sieht man eine ADAC plus Mitgliedschaftskarte.

ADAC-Mitglieder sind bei der Reparatur des Clubs nicht gefragt

Nein, die Mitglieder sind nicht eingebunden. Das zeigt sich auch an der Art der Veranstaltung, die in Saarbrücken stattfindet. Die trägt zwar den Namen Hauptversammlung, es wird aber von sogenannten Delegierten ausgehandelt, was beschlossen werden soll. Mitglieder sind nicht eingeladen, sie dürfen nicht einmal hingehen. Die Presse darf erst am Samstag hin, wenn also alles schon ausgekungelt ist.

Anderes Beispiel: 40 Prozent der Mitglieder beim ADAC sind Frauen, aber es gibt fast keine Frauen in Leitungspositionen. Alte Männer, die im Hinterzimmer Entscheidungen treffen, das ist der Eindruck, den der Club vermittelt, das finde ich, kann nicht so bleiben. Die jetzigen Strukturen haben ja die Serie von Skandalen auch mit begünstigt.

Die Vorwürfe von Vetternwirtschaft, die Vermischung von ADAC-Ämtern mit anderen Jobs und öffentlichen Funktionen, die Freiflüge der Vorgesetzten - es gibt ja seit Wochen immer neue Vorwürfe. Da muss sich viel ändern - das, finde ich, ist der ADAC seinen immer noch rund 19 Millionen Club-Mitgliedern einfach schuldig.