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Hälfte aus Gelbem Sack wird verbrannt Müll-Sortieren ist nicht umsonst

Wir Deutschen sind Meister der Mülltrennung. Aber eine Anfrage an die Bundesregierung macht klar: Nicht einmal die Hälfte von dem, was in Gelben Sack oder gelbe Tonne kommt, wird recycelt.

Gelber Sack und Tonne

Ein Großteil des Mülls aus dem Gelben Sack wird verbrannt

Eine Anfrage der Grünen bei der Bundesregierung hat ergeben, dass 44 Prozent des Mülls aus dem Gelben Sack nicht wiederverwertet wird. Der Großteil landet in Müllverbrennungsanlagen. Martin Thiel aus der SWR-Umweltredaktion kennt die Gründe dafür.

Warum machen wir uns überhaupt die Mühe und sortieren den Müll?

Zum einen läuft Verbrennung auch unter Recycling - darüber kann man natürlich streiten. Zum anderen ist, je besser wir Müll voneinander trennen, also diese Leichtverpackungen etc., desto besser sind sie auch zu verbrennen. Der Energiewert ist dann höher. Also nutzt es etwas, dass wir trennen, auch wenn es dann verbrannt wird.

Auf der anderen Seite muss man sagen, dass das Duale System in jedem Fall ein Erfolg ist. Seit 1990 ist die Restmüllmenge um mehr als die Hälfte gesunken und durch das Duale System entlasten wir das Klima jährlich um 3,1 Millionen Tonnen CO2, das wir nicht in die Atmosphäre schicken.

Wenn wir nicht trennen würden und alles in die schwarze Tonne werfen würden, wäre das ein Problem. Es gibt nicht genug Müllverwertungsanlagen, die das sortieren könnten. Man müsste sie schaffen - das kostet Geld, und die Müllgebühren würden steigen. Der gelbe Sack, also die Verwertung von Leichtverpackungen, hat die beste Klimabilanz von allen Abfallarten. Jede Tonne getrennte Leichtverpackung trägt 19-mal mehr zum Klimaschutz bei als die Entsorgung des Restmülls.

Die Verpackungsverordnung sieht eine Recyclingquote von 22,5 Prozent vor. Die Grünen fordern, das müsse viel mehr werden. Wie viel wäre realistisch?

Jeder Deutsche verursacht statistisch fast 620 Kilo Müll pro Jahr. Das ist deutlich mehr als in anderen EU-Ländern.

Da gehen die Meinungen wirklich sehr weit auseinander. Man findet auch keine Zahl, die man seriös nennen könnte. Fakt ist: 100 Prozent Recyclingquote gibt es nicht, nicht einmal bei Biomüll. Es kommt natürlich auch der Faktor Mensch ins Spiel, der nicht perfekt trennen kann oder will.

Sicher ist, je sortenreiner das Recycling-Material ist, desto leichter ist es zu recyceln und desto höher ist die Qualität dessen, was dabei herauskommt. Probleme bereiten zum Beispiel diese Kleinstteile. Irgendwelche Plastikschnipsel von Verpackungen  werden einfach verbrannt, weil es nicht sinnvoll ist, sie heraus zu sortieren. Je größer die Gegenstände, umso leichter sind sie zu trennen. Um das zu veranschaulichen: Von einem Auto kann man zu 85 Prozent Wertstoffe wiederverwerten, 10 Prozent werden verbrannt und nur 5 Prozent landen auf der Deponie. Experten fordern, dass wir noch viel mehr Müll verwerten, nicht nur die Leichtverpackung.

Kann jeder etwas tun, um die Quote zu verbessern?

Ja, man muss einfach noch mehr Müll sammeln und mehr trennen. Aber dafür muss die Politik auch die Rahmenbedingungen schaffen. Deshalb fordern Viele die Verschärfung der Recycling-Quoten, die Einführung einer einheitlichen Wertstoffsammlung, Anreize für Design - "for recycling" ist ein Stichwort - flächendeckende Holsysteme für Leichtverpackungen und vieles mehr. Wenn man zum Beispiel auch größere Kunststoffteile etwa in eine orangene Tonne oder in einen Gelben Sack Plus werfen dürfte, wie eine Rührschüssel, Plastikspielzeug, Elektrogeräte wie Fön und Taschenlampe, dann könnte man noch viel mehr verwerten. Mit Blick auf die Klimabilanz könnte man so laut Experten die Entlastung von 3,1 Millionen Tonnen weniger CO2 bis ins Jahr 2030 auf über 4,7  Millionen Tonnen CO2 steigern. Das wäre schon ein Erfolg, wenn wir das nicht in die Atmosphäre pusten.


Online: Biggi Hoffmann