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Grüntee im Test Anregend, belebend - und giftig

Grüner Tee wird bei den Deutschen immer beliebter - längst bieten viele Cafés neben Espresso, Latte Macchiato und Schwarztee auch verschiedene Sorten Grünen Tee an. Auch im Supermarkt und in der Drogerie gibt es Grünen Tee - für die kleine Teezeremonie zu Hause. Stiftung Warentest hat 25 Grüne Tees aus dem Handel auf Schadstoffe getestet - mit unschönem Ergebnis...

Grüner Tee

Grüner Tee erfreut sich großer Beliebtheit. Die Bandbreite der verschiedenen Grüntee-Sorten ist enorm.

Von Stefanie Peyk, SWR Umwelt und Ernährung

Die einen mögen den Geschmack, die anderen die ihm nachgesagten positiven Wirkungen, die Dritten vielleicht auch nur das Ritual seiner Zubereitung. Fest steht: Grüner Tee hat einen guten Ruf - es gibt also viele Gründe, ihn zu trinken. Was die Stiftung Warentest nun jedoch herausgefunden hat, kratzt am gesunden Image des Grüntees.

Grüner Tee in einem Glas.

In kräftigem Grün leuchtet der aufgebrühte Klostertee

Kein einziger Grüntee frei von Schadstoffen

Denn egal, ob loser Tee, Beutel, Kapseln oder Pulver: Kein einziger von fünfundzwanzig grünen Tees im Test war frei von Schadstoffen. Die Tester haben potenziell krebserregende Substanzen entdeckt, Verbrennungsrückstände, Mineralölbestandteile und Pestizide. Sieben Tees waren so stark belastet, dass sie durchgefallen sind. Darunter Tees von verschiedenen Discountern und der Marke Meßmer.

Test-Redakteurin Sara Waldau ist besonders besorgt über die in den Teeproben gefundenen Pyrrolizidinalkaloide, so genannte sekundäre Pflanzenstoffe, die von bestimmten Pflanzenarten gebildet werden. Vermutlich gelangen sie versehentlich in den Tee, über mitgeerntete Wildkräuter, die diese enthalten. Pyrrolizidinalkaloide gelten allerdings als potentiell krebserregend, und sie sind sehr gut wasserlöslich. "Sie gehen also vermutlich vollständig in den Aufguss über. Deswegen sind sie beim Tee problematisch."

Was sind Pyrrolizidinalkaloide?

Pyrrolizidinalkaloide sind Abwehrstoffe, die bestimmte Pflanzenarten selbst bilden. Die Pflanzen versuchen damit zu verhindern, dass sie gefressen werden, etwa von Raupen oder Schnecken. In der Natur sind derzeit etwa 500 verschiedene dieser pflanzeneigenen Giftstoffkombinationen bekannt. Die wiederum in über 6.000 Pflanzenspezies vorkommen. Pyrrolizidinalkaloide sind also in der Natur gar nicht so selten. Hier bei uns besitzen etwa das Jakobskreuzkraut, das Gemeine Greiskraut oder der Natternkopf solche pflanzeneigenen Gift- und Abwehrstoffe. Für den Menschen sind sie eigentlich erst in hoher Dosierung schädlich, etwa für die Leber. Tückischerweise reichen aber wohl auch schon niedrigere Dosierungen aus, um Organe zu schädigen, wenn sie über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.

Grüner Tee

Grüner Tee darf weder zu lang ziehen, noch darf das Wasser zu heiß sein. Zwischen 70 und 80 Grad reichen in der Regel vollkommen aus.

Regelmäßiger Genuss von belasteten Grüntees kann krank machen

Wer diese Tees nur ab und zu trinkt, muss sich keine Sorgen machen. Anders sieht es aus, wenn jemand Tag für Tag immer den gleichen, stark belasteten Tee trinkt. "Da reichen dann schon ein bis zwei Tassen pro Tag, um einen bestimmten Toleranzwert zu überschreiten", meint Test-Redakteurin Sara Waldau. Und wer regelmäßig und dauerhaft hoch belasteten Tee trinkt, bei dem kann ein gesundheitliches Risiko nicht ausgeschlossen werden.

Die Tee-Testerin riecht in Hamburg an einer Teeprobe

Eine Tee-Testerin riecht bei einem Großhändler in Hamburg an einer Teeprobe

Der Rat der Tester: Öfter mal den Grüntee wechseln

Die Tester raten daher, zur Sicherheit immer mal wieder das Produkt zu wechseln sowie möglichst auf Tees zu setzen, die gut abgeschnitten haben und nur wenige Schadstoffe enthalten.

Die gibt es nämlich auch - darunter vier Bio-Tees, unter anderem von Alnatura und von der Gepa. Eine Garantie für einwandfreie Qualität ist das Biosiegel trotzdem nicht. Denn Schadstoffe, die aus der Umwelt - während der Lagerung oder dem Transport - in den Tee gelangen, können natürlich sowohl konventionell erzeugte Lebensmittel als auch biologisch erzeugte Lebensmittel belasten.

"Wir haben auch Bioprodukte im Test, die befriedigend oder ausreichend abschneiden", sagt Test-Redakteurin Sara Waldau. Was aber im Bio-Anbau verboten ist, das ist der Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln, und so die Nachricht der Tester: "Da halten alle Bioprodukte im Test die Anforderungen ein."

Online: Lutz Heyser, Christine Trück