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Premierminister Boris Johnson und seine konservative Partei haben die Wahlen im Vereinigten Königreich eindeutig gewonnen. Johnson verfügt jetzt über die nötige Mehrheit, um sein Brexit-Abkommen mit der EU im Parlament zu verabschieden.

Wahlsieger Johnson begab sich am Freitagvormittag zu Königin Elizabeth II. in den Buckingham Palast, um sich den Auftrag zur Bildung der neuen Regierung bestätigen zu lassen. Seine Partei gewann 364 der 650 Sitze, nur aus einem Wahlbezirk lag bei diesem Stand noch nicht das Ergebnis vor - das Ergebnis der Scilly Inseln verzögert sich wegen des schlechten Wetters im Ärmelkanal. Nach dem Besuch bei der Queen kehrte Johnson in seinen Amtssitz in der Downing Street zurück.

Tories verfügen über satte Mehrheit

Die Tories verfügen im neuen Parlament mit 364 Sitzen über eine satte Mehrheit, Labour als der große Verlierer kommt vorraussichtlich nur auf 203 Sitze.

Damit steht auch fest: Das Vereinigte Königreich - England, Schottland, Wales und Nordirland - wird die Europäische Union zum 31. Januar 2020 verlassen. "Wir haben ein mächtiges Mandat, um den Brexit zu erledigen", sagte Johnson nach der triumphalen Nacht. Es gebe "kein Wenn, kein Aber, kein Vielleicht".

Labour-Chef Jeremy Corbyn hingegen kündigte an, die Partei nicht mehr in den nächsten Wahlkampf führen zu wollen. Einen sofortigen Rücktritt lehnte er aber ab.

Der Erfolg von Johnson ist aber weniger sein Verdienst, als die Schwäche der Opposition, meint London-Korrespondent Jens-Peter Marquardt in seinem Kommentar (Audio mit Foto von Labour-Chef Corbyn.

SNP räumt in Schottland ab

Zu den Wahlsiegern gehört auch die Schottische Unabhängigkeitspartei SNP, die 48 Abgeordnete im neuen Unterhaus stellen wird - 13 mehr als zuvor. SNP-Chef Nicola Sturgeon sagte, das Land habe eine "klare Botschaft für ein zweites Unabhängigkeits-Referendum" geschickt. Die Schotten sind überwiegend für einen Verbleib des Landes in der EU und wählten nun überwiegend SNP.

Die SNP gewann auch den Wahlbezirk Dunbartonshire East, in dem die Vorsitzende der pro-europäischen Liberaldemokraten, Jo Swinson, antrat. Die 39-Jährige erklärte anschließend den Rücktritt als Parteivorsitzende. "Die Liberaldemokraten standen für Offenheit, Konzilianz und Hoffnung", teilte Swinson in einer Erklärung mit. "Dies ist eindeutig ein Rückschlag für unsere Werte."

Johnsons Partei mit historischen Wahlsieg

Nach dem historischen Sieg - seit Margaret Thatcher 1987 hatte kein Premier eine solche Mehrheit - hat Johnson freie Bahn für seinen Brexit-Deal. Er könnte Großbritannien wie geplant zum 31. Januar 2020 aus der Europäischen Union führen.

Dem Austrittsabkommen zufolge soll das Land bis Ende 2020 in einer Übergangsphase bleiben. Bis dahin will Johnson einen Vertrag über die künftigen Beziehungen mit der Staatengemeinschaft aushandeln.

Die Zeit dafür gilt jedoch als denkbar knapp - eine Verlängerung um bis zu zwei Jahre, die noch bis Juli 2020 möglich ist, hat der Premier ausgeschlossen. Sollte kein Anschlussabkommen zustande kommen, droht Ende kommenden Jahres wieder ein No-Deal-Szenario.

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