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Die Erderwärmung sorgt dafür, dass der Grönland-Eisschild immer schneller schmilzt, die Wasserknappheit auf der Welt gleichzeitig zunimmt. Die grönländische Regierung hat das auf eine Idee gebracht.

Grönland exportiert sein Schmelzwasser und der Energieminister des Landes, Jess Svane, sagte dem "Tagesspiegel" auch warum: "Wir haben große Mengen reinsten Wassers, und wir bieten an, diese Ressource zu nutzen." Neun kleinere Projekte hätten bereits die Lizenz zum Exportieren von Trinkwasser. Man wolle aber expandieren und das Wasser mit dem Rest der Welt teilen, so Svane.

Wasser von Grönland für Saudi-Arabien?

Der Schweizer Klimaforscher Konrad Steffen von der ETH in Zürich hält nichts davon, Schmelzwasser aus Grönland an Unternehmen zu verkaufen. Zwar könne ein solcher Verkauf für die grönländische Regierung eine Einnahmequelle sein, so Steffen.

Die Distanz zu den Gebieten, die Wasser brauchten, sei aber zu groß: "Es wäre nicht sehr sinnvoll, dass große Tankschiffe, die mit Schwerdiesel fahren, Süßwasser von Grönland nach Saudi-Arabien transportieren." Das sei eine zusätzliche atmosphärische Belastung. Für den Klimaforscher wäre es daher vernünftiger, wenn solche Schiffe dann mit Solar oder mit Wasserstoff betrieben würden.

Wasser abschöpfen kein Problem

Das Wasser generell abzuschöpfen, sei nicht schädlich, weil man es nirgends wegnehme: "Das Eis ist geschmolzen, also sowieso schon verloren." Das Wasser fließe dann nicht in den Ozean, sondern indirekt in große Tankanlangen. Diese könnten sowieso nicht mehr als einige Prozent des Schmelzwassers abtransportieren, sagte der Professor für Klima und Kryosphäre im SWR.

Vergleich mit der Schweiz

Ein Überangebot an Schmelzwasser gibt es allerdings nicht nur in Grönland, sondern auch in der Schweiz. Dort gebe es etwa dreimal mehr Wasser als das Land verbrauchen könne: "Die Schweiz gibt es aber einfach durch die Flüsse frei und macht damit keine Geschäfte."

Grönland ist weitgehend autonom, gehört wie die Färöer-Inseln aber zum Königreich Dänemark und ist wirtschaftlich stark von den Dänen abhängig. Svane sagte dazu im "Tagesspiegel", die Menschen in Grönland wollten wirtschaftlich unabhängiger werden und diesen Kurs verfolge die Regierung.

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