Der SUV Q7 von Audi steht auf einer Bühne (Foto: dpa Bildfunk, (c) dpa)

Umweltverband macht auf IAA Druck auf Automobilhersteller Greenpeace: "Politik macht Artenschutz für Spritschlucker"

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Die Internationale Automobilausstellung (IAA) ist im Umbruch. Die Branche will weg vom Verbrennungsmotor hin zur Elektromobilität. Doch Umweltverbänden geht der Umstieg zu langsam.

Aktivistinnen und Aktivisten von Greenpeace nutzen den Rundgang von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf der IAA zu einer Protestaktion gegen die klimaschädliche Modellpolitik auch der deutschen Autohersteller. Während Merkels Besuch am Stand von VW stiegen mehrere junge Leute auf die Dächer von ausgestellten Wagen und entfalteten gelbe Greenpeace-Transparente. Darauf zu sehen: ein stilisiertes brennendes Auto und der Slogan "Klimakiller".

Greenpeace: Merkel muss Verantwortung übernehmen

Im Interview mit dem SWR bemängelte Greenpeace-Sprecherin Marion Tiemann, die Politik lasse der Autoindustrie zu viel durchgehen: "Frau Merkel muss VW, BMW, Daimler in die Pflicht nehmen und endlich Verantwortung übernehmen." Die Branche werde nur dann etwas zum Klimaschutz beitragen, wenn die Politik sie dazu zwinge.

Merkel sagte bei der Eröffnung der Messe ebenfalls, Autoindustrie und Politik müssten künftig enger zusammen arbeiten. Die Branche stecke in der größten Umbruchphase seit der Entwicklung des Autos, sagte sie. Sie bezog sich dabei unter anderem auf neue Technologien wie Elektroantriebe. Staatliche Stellen und Industrie müssten eng zusammenarbeiten, damit die Umstellung gelinge.

Heftige Kritik äußerte die Greenpeace-Aktivistin an den aus ihrer Sicht fehlenden Reglementierungen für SUV: "Die Politik macht Artenschutz für Spritschlucker." Der Anreiz für Autofahrer, sich einen Wagen zu kaufen, der viel Kraftstoff verbrauche, sei besonders hoch: "Autos werden nicht wie zum Beispiel in Dänemark nach CO2-Ausstoß und Verbrauch besteuert. Spritschlucker werden mit Samthandschuhen angefasst. Das muss aufhören."

Versteckt die Autoindustrie die Klimakiller?

Insgesamt vermisst die Umweltaktivistin auf der IAA einen Aufbruch ins Zeitalter der Elektromobilität. Bei drei viertel der neu vorgestellten Autos handele es sich um "klimaschädliche Diesel und Benziner." Die Elektromodelle würden nur beim Pressetermin nach vorne gestellt. Modelle mit Verbrennungsmotoren seien dagegen beinahe versteckt worden. "Bei Audi stand der Q7, während die Presse da war, hinter der Bühne."

"Die Autoindustrie inszeniert sich gerade als Klimaheld", resümierte Tiemann ihre Eindrücke von der IAA. Das Ausmaß der Klimakrise und die notwendigen Schritte dagegen habe die Branche aber nicht verstanden.

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