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Daimler hat im ersten Quartal fast 70 Prozent des operativen Gewinns im Vergleich zum Vorjahr verloren. Die Corona-Krise wird die Prognosen beeinträchtigen. Was heißt das für Mitarbeiter?

Unterm Strich erzielte der Autokonzern nach vorläufigen Zahlen im ersten Quartal ein Plus von 719 Millionen Euro – vergangenes Jahr waren es im gleichen Zeitraum 2,3 Milliarden Euro. Für das gesamte Jahr erwartet Daimler Einbußen wegen der Corona-Pandemie. Deren Auswirkungen auf die Lieferketten, Produktion und Nachfrage könnten nicht detailliert und auf sicherer Basis geschätzt werden, erklärte der Dax-Konzern in einer Mitteilung. Deshalb sei eine Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2020 schwer. Daimler betonte aber auch, dass das Unternehmen finanziell gut aufgestellt sei, um nach der weltweiten Krise wieder durchzustarten.

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Kreditrahmen nochmal um zwölf Milliarden Euro erhöht

Angesichts der Corona-Krise hatte der Auto- und Lkw-Hersteller bei seinen Banken eine neue Kreditlinie in Höhe von zwölf Milliarden Euro geschlossen. Dieser Kredit ergänzt eine bestehende Kredit-Möglichkeit in Höhe von elf Milliarden Euro, die bis 2025 läuft. Den neuen Kreditspielraum kann Daimler innerhalb eines Jahres nutzen und gegebenenfalls auch noch verlängern.

"Angesichts des Umstands, dass wir umfassende Maßnahmen zum Schutz unseres Barmittelbestands getroffen und unsere finanzielle Flexibilität erhöht haben, sind wir zuversichtlich, für die Zeit während und nach der Krise gut positioniert zu sein", erklärt der Konzern.

80 Prozent der Belegschaft in Deutschland noch in Kurzarbeit

Seit 20. April fährt der Autokonzern nach vier Wochen Stillstand seine Produktion wieder hoch. Etwa 135.000 Daimler-Beschäftigte in Deutschland sind noch bis Anfang Mai in Kurzarbeit. Daimler hat weltweit seit Jahresbeginn rund 15 Prozent weniger Autos und Vans verkauft. Am 25. April wird der Stuttgarter Autobauer seine detaillierten Quartalszahlen bekannt geben.

Was bedeutet der Gewinneinbruch für die Mitarbeiter und ihre Arbeitsplätze?

Gespräch mit SWR-Wirtschaftsredakteurin Geli Hensolt

Daimler steckt bereits in einem Sparprogramm aus der Vor-Corona-Zeit. Insgesamt sollen rund 15.000 Stellen wegfallen. Es gibt im Rahmen dieses Sparkonzepts bereits ein Abfindungsprogramm für die Beschäftigten, die das Unternehmen „freiwillig“ verlassen. Dieses Abfindungsprogramm war für viele attraktiv. Sie haben überlegt, zu gehen und sich einen neuen Job bei einem anderen Unternehmen zu suchen. Aber das war vor der Corona-Krise. Jetzt denken viele darüber nach, ob sie das tatsächlich machen sollen. Das heißt allerdings: Entweder legt Daimler noch etwas drauf beim Abfindungsprogramm oder es werden, da wo es geht, Leute entlassen. Für die meisten Beschäftigten gilt allerdings eine Beschäftigungsgarantie bis 2030.  

Trotz Gewinneinbruch steigt der Aktienkurs. Wie kann das sein?

Die aktuellen Zahlen haben die Anleger vermutlich nicht überrascht – was Daimler jetzt bekannt gegeben hat, entspricht ungefähr ihren Erwartungen. Daimler geht das Geld auch nicht aus. Der Konzern betont, man sei finanziell gut aufgestellt für die Zeit nach Corona, gerade durch die neue Kreditlinie von zwölf Milliarden Euro. Auch das dürfte die Anleger beruhigen. Hinzu kommt: Daimler hat derzeit tausende von Menschen in Kurzarbeit – weil der Staat momentan deren Gehalt zahlt, spart der Autobauer viel Geld.

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Daimler startet die Produktion schrittweise – was würde dem Konzern helfen?  

Daimler ist darauf angewiesen, dass die Verbraucher bald wieder Autos kaufen. Deshalb fordert die Autoindustrie insgesamt eine staatliche Unterstützung: Wie in der Finanzkrise soll der Staat etwas dazugeben, damit die Verbraucher ihr altes Auto gegen ein neues eintauschen. Wenn die Kaufprämie tatsächlich kommen sollte, wird sie möglicherweise auf klimafreundliche Antriebe beschränkt. Deshalb muss der Konzern auch weiterhin in neue Technologien – wie etwa die E-Mobilität – investieren. Da haben die Stuttgarter momentan noch nicht allzu viel zu bieten.

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