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Gesetzliche Rentenversicherung Totgesagte leben länger

Seit Jahren sagt die Politik: Ohne private Vorsorge geht es nicht. Aber angesichts der Zinsmisere lockt plötzlich die Deutsche Rentenversicherung mit ordentlicher Rendite.

Von Mathias Zahn, SWR-Hauptstadtstudio

Es würde wohl kaum einer drauf kommen. Doch die gesetzliche Rentenversicherung bietet für momentane Verhältnisse fast schon eine Traum-Rendite von drei Prozent. Reinhold Thiede von der Deutschen Rentenversicherung Bund: "Die Brutto-Rendite in der Rentenversicherung liegt auch langfristig nach unseren Berechnungen zwischen zwei und drei Prozent. Die gesetzliche Version ist nicht schlechter als private Versicherungen."

Das Rendite-Hoch hat mehrere Gründe. Die Zinsen sind gleich Null, die Löhne und die Beschäftigung steigen und der Beitragssatz in der Rentenversicherung ist so niedrig wie seit 25 Jahren nicht.

"Es hat sicherlich Zeiten gegeben, ich würde sagen bis zum Ausbruch der Finanzkrise, wo tatsächlich eine private, kapitalgedeckte Rente der gesetzlichen Rente überlegen war", sagt der Finanzmathematiker Werner Siepe. "Nur ist sie es jetzt nicht mehr."

Mehr aus der gesetzliche Rente herausholen

Denn es gibt die Möglichkeit, mit der gesetzlichen Rente mehr rauszuholen. Wer früher in Rente gehen will, muss mit Kürzungen leben. Doch die lassen sich ausgleichen und zwar über freiwillige Einzahlungen. Für alle ab 55 Jahren ist das möglich.

Wie attraktiv das ist, wird völlig unterschätzt, meint Siepe: "Gerade für die Älteren gilt, dass die gesetzliche Rente die anderen privaten Renten in der Tat schlägt, was man auch rechnerisch sehr einfach beweisen kann."

Attraktiver als Riester oder Rürup

Altenpflege

Die gesetzliche Rente nutzen, um fürs Alter vorzusorgen.

Das bedeutet: Wer zusätzlich Geld in die Rentenversicherung einzahlt, bekommt am Ende mehr heraus als bei Riester oder Rürup. Nur bekannt ist das kaum. Gerade einmal um die 1.000 Versicherte im Jahr stocken die gesetzliche Rente mit zusätzlichen Zahlungen auf.

"Die Finanzindustrie, die Versicherungsunternehmen, die Banken und auch Fondsgesellschaften haben hier offensichtlich gute Arbeit geleistet, den Ruf der gesetzlichen Rentenversicherung zu diskreditieren", sagt Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten. "So, dass wir einfach aus dem Blick verloren haben, dass das eigentlich eine gute Anlage ist."

Flexible Handhabung möglich

Und, die Rentenversicherung zeigt sich bei dem Thema so, wie es wohl nur wenige erwarten würden - flexibel. "Die Möglichkeit, die man hat, diesen zusätzlichen Beitrag zu zahlen, die sind relativ flexibel gehandhabt", sagt Reinhold Thiede von der Deutschen Rentenversicherung. "Man kann das als Teilzahlung machen, man kann auch sich dann später entscheiden, doch nicht früher in Rente zu gehen, bis zur Regel-Altersgrenze zu arbeiten. Man hat da schon einiges an Handlungsspielräumen."

Das Fazit: Die gesetzliche Rentenversicherung erlebt in Zeiten der Niedrigzinsen ein Comeback. Mit freiwilligen Zahlungen lässt sich die künftige Rente aufstocken. Genutzt wird diese Möglichkeit aber kaum. Wer über 50 ist sollte sich zumindest beraten lassen.

Online: Peter Mühlfeit und Christine Trück