Bitte warten...

Germanwings-Absturz "Öffentliche Trauer als Kraftquelle"

Öffentlich Abschied nehmen: Wie hilft die Germanwings-Trauerfeier in Köln den Angehörigen? Die Psychologin Gisela Mayer hat beim Amoklauf in Winnenden eine Tochter verloren.

50 Kerzen - 149 für die Opfer und eine für den Piloten - stehen  auf einer Treppe vor dem Altar im Dom in Köln

150 Kerzen vor dem Altar im Kölner Dom.

150 Menschen kamen beim Absturz von Flug 4U9525 ums Leben. Eine Trauerfeier wie im Kölner Dom hat Gisela Mayer selbst auch hinter sich gebracht. Beim Amoklauf in Winnenden verlor sie ihre älteste Tochter, die damals Referendarin an der Albertville-Realschule war. Inzwischen ist sie Vorsitzende der Stiftung gegen Gewalt an Schulen. Diese Stiftung ist aus dem Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden entstanden.

SWR-Moderatorin Simone Franzke hat mit ihr gesprochen.

Frage: Wenn sie an die Trauerfeier im Kölner Dom denken, wie präsent werden dann die Ereignisse von vor sechs Jahren bei Ihnen?

Gisela Mayer: Die Ereignisse sind in dem Moment ganz unmittelbar da. Ganz unmittelbar präsent. Es ist sogar das Empfinden, das Gefühlsleben, das man damals hatte, ganz unmittelbar wieder spürbar.

Die Trauernden im Kölner Dom haben ihre Angehörigen, ihre Freunde wirklich ganz und gar verloren. Sie haben nicht einmal Leichname, von denen sie sich verabschieden können. Macht das die Trauer noch schwieriger?

Gisela Mayer im O-Ton

Gisela Mayer, Vorstandsmitglied des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden

Das macht die Trauer in jedem Fall um ein Vielfaches schwieriger. Im Grunde genommen darf ich heute sogar sagen, angesichts dessen, was man diesen Menschen angetan hat, darf ich sogar dankbar sein, dass ich wenigstens die Chance hatte, mein Kind zu beerdigen.

Wir Menschen sind angewiesen auf Orte, an denen wir Trauern können. Nicht umsonst haben wir Friedhöfe. Diese Menschen haben nicht einmal die Möglichkeit, ihre Angehörigen zu sehen und angemessen zu bestatten.

Es wird irgendwelche Formen geben, aber umso wichtiger ist es, einen Augenblick zu haben, in dem auch die Welt ihnen dokumentiert, wir sind bei euch. Denn ich kann es mir nur als unvorstellbar grausam vorstellen, dass ein lieber Mensch plötzlich verschwindet aus dem Leben.

Nach dem Amoklauf in Winnenden hat es ja gemeinsame öffentliche Trauerfeiern gegeben. Hat ihnen das auch Stärke und Kraft gegeben?

Germanwings A320 abgestürzt - Flughafen Düsseldorf

Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine im Flughafen Düsseldorf.

Diese öffentliche Anteilnahme ist in dieser Phase wichtig. Sehr, sehr wichtig sogar. Es ist die Anerkennung der anderen Menschen, die mit ihrer Anwesenheit zeigen, es ist etwas passiert, was nicht nur für den einzelnen eine Katastrophe ist, sondern was für die Gemeinschaft der Menschen eine unvorstellbare Katastrophe ist.

Etwas was unser Weltbild zunächst einmal aus den Angeln hebt. Dass andere Menschen da sind und das verstehen, mitleiden und Anteil nehmen, ist eine ganz ganz wichtige Kraftquelle für die, die unmittelbar betroffen sind.

Online-Redaktion: Peter Mühlfeit und Christine Trück