In einer vollbesetzte Mehrzweckhalle tagt die "Bürgerinitiative Waldhof gegen das KSK Absprunggelände". (Foto: SWR, Annette Hübsch)

Bund und Land informieren über geplante Fallschirmübungen

Kritik am geplanten KSK-Bundeswehrgelände in Geislingen

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Rund 600 Interessierte kamen nach Geislingen (Zollernalbkreis) zur Infoveranstaltung zum geplanten Fallschirm-Übungsgelände bei der Staatsdomäne Waldhof. Eine Bürgerinitiative ist dagegen.

Auf dem Areal der Staatsdomäne Waldhof sollen künftig Fallschirmspringer des Kommandos Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr üben. Bund und Land benötigen einen Ersatz für ein Gelände in Renningen-Malmsheim (Kreis Böblingen). Dort möchte die Robert Bosch GmbH ein Forschungszentrum erweitern. Aber die Pläne von Bund und Land stoßen auf Kritik auf der Zollernalb.

Ein Plakat mit der Aufschrift  "Bürgerinitiative Waldhof gegen das KSK Absprunggelände" hängt quer vorne an einem Biertisch herunter. (Foto: SWR, Annette Hübsch)
Die Bürgerinitiative Waldhof sammelt Unterschriften für eine Online-Petition gegen das geplante Militär-Übungsgelände in Geislingen. Annette Hübsch

Unterschriften gegen Bundeswehr-Übungen in Geislingen

Die Bürgerinitiative Waldhof ist gegen ein Fallschirm-Übungsgelände auf dem Areal. Sie kritisiert den Verlust von landwirtschaftlichen Flächen und die Verlegung von Straßen. Landwirte würden in ihrer Existenz bedroht, so die BI. Außerdem befürchten die Kritiker Lärmbelästigung durch Flugzeuge und Hubschrauber der Bundeswehr. In nur wenigen Tagen waren rund 4.000 Unterschriften bei einer Online-Petition gegen das geplante Militär-Übungsgelände zusammengekommen.

Sorgen der Besucher in Geislingen

Auf einer Fläche von 1000 mal 400 Metern sollen Soldaten des Kommandos Spezialkräfte und der US-Armee Fallschirmabsprünge üben. Dafür werde kein Flugplatz gebaut, es werde nichts betoniert, die Wiesen würden ausreichen, versprach des Staatsministerium, das mit zwei Vertretern auf dem insgesamt achtköpfigen Podium am Dienstagabend saß. Allerdings müssten einige Landwirte ihre Ackerflächen aufgeben und Kreisstraßen könnten verlegt werden. Viele der 600 Besucherinnen und Besucher im Saal haben Bedenken. Viele stellen den Standort in Frage. Warum ausgerechnet in Geislingen und nicht woanders üben?

"Warum geht es nicht in Zepfenhahn, Meßstetten oder Münsingen, wo bereits ein militärisches Gelände vorhanden ist?"

Keine Alternative zur Staatsdomäne Waldhof

Das Bundesversteidigungsministerium sieht keine Alternative zu Geislingen. An anderen Orten werde Schießen, Sprengen und Gefechtskampf geübt. Das wäre zum Fallschirmspringen zu gefährlich. Um zu beruhigen wurde genau erklärt, was die Elitetruppe der Bundeswehr auf dem Gelände machen will: An etwa 60 Tagen im Jahr sollen die Soldaten das Abspringen üben, vorwiegend tagsüber und nicht an den Wochenenden, so Oberst Andreas Reyer.

Oberst Andreas Reyer spricht vor der "Bürgerinitiative Waldhof gegen das KSK Absprunggelände". (Foto: SWR, Annette Hübsch)
Oberst Andreas Reyer (li.i.B.) des Kommando Spezialkräfte versucht Fragen der Bürgerinnen und Bürger in Geislingen (Zollernalbkreis) zu beantworten. Auch Landrat Günther-Martin Pauli (re.i.B.) sitzt auf dem Podium. Annette Hübsch

Zu spät über Pläne informiert

Landrat Günther-Martin Pauli findet das Übungsgelände wichtig. Die Pläne haben ihn jedoch überrascht. Er kritisiert, dass das Land den Kreis erst spät informiert habe und hofft, dass Geislingen nicht als Lückenbüßer herhalten müsse. Auch Geislingens Bürgermeister Oliver Schmid hat Einwände. Er erhofft sich von der Bundeswehr künftig detaillierte Antworten auf Fragen zum Umweltschutz und zur landwirtschaftlichen Nutzung des Häsenbühls mit seinen "wertvollen Böden", wenn das Areal als Absprunggelände genutzt wird. Antworten auf viele Fragen könnten jedoch erst nach weiteren Detailplanungen gegeben werden, so das Bundesverteidigungsministerium. Nun werde erst einmal ein Lärmgutachten erstellt. Weitere Informationsveranstaltungen würden folgen.

Areal für Bundeswehr gehört bereits dem Land

Ursprünglich hatten Bund und Land ein Gelände für Bundeswehrübungen in Haiterbach (Kreis Calw) im Fokus. Dort gab es jedoch ebenfalls Widerstand. Da die Grundstücke in Haiterbach teils in privater Hand sind, wurden die Pläne verworfen. Dort wollten laut Staatsministerium viele Eigentümer ihre Grundstücke nicht verkaufen. Das Gelände auf dem Areal der Staatsdomäne Waldhof gehört dagegen dem Land. Es müsste also keine Grundstücke kaufen.

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