STAND
AUTOR/IN

Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom sieht hinter dem Giftanschlag auf den Kreml-Kritiker Alexej Nawalny das typische Vorgehen russischer Geheimdienste. Nur dort verwende man Nowitschok.

Der Kampfstoff, den Ärzte der Berliner Charité im Körper Nawalnys nachgewiesen haben, stammt nach Einschätzung Schmidt-Eenbooms aus ehemaliger sowjetischer Produktion. Der Geheimdienstkenner im SWR: "Präsident Putin stützt sich auf 50 Prozent ehemalige nachrichtendienstliche Mitarbeiter. Und, dass die an ihrem obersten Chef vorbei politische Morde begehen, halte ich für ausgeschlossen." Zudem sei Wladimir Putin selbst früher ein KGB-Spion gewesen.

Ebenso wenig hält Schmidt-Eenboom es für möglich, dass ein anderer ausländischer Geheimdienst sich das Gift Nowitschok verschafft haben könnte, um einen Anschlag auf Nawalny zu verüben und die Tat dann Russland in die Schuhe zu schieben. "Natürlich können diejenigen, die Nowitschok untersucht haben, das sind Labore vieler NATO-Staaten, das Gift nachproduzieren. Aber warum sollten sie den russischen Dissidenten töten wollen?"

Die Reaktion des Kreml hält Geheimdienstexperte Schmidt-Eenboom für erwartbar: "Wir leugnen, wir wissen nichts - aber das haben wir beim Anschlag auf Sergej Skripal 2018 oder bei Alexander Litwinenko 2006 auch erlebt. " Im Nachhinein habe sich immer herausgestellt, dass es die russischen Nachrichtendienste gewesen seien.

Auch andere Geheimdienste morden

Schmidt-Eenbooms kennt durchaus noch weitere Geheimdienste, die vor Mord nicht zurückschrecken. Neben dem saudischen Geheimdienst, bekannt durch den Mord am Journalisten Jamal Kashoggi 2018, sei das "traditionell der israelische Mossad. Wir kennen das aber auch von den Vereinigten Staaten. Die Drohnen-Morde der CIA, mehrere hundert unter Ex-Präsident Barack Obama, waren auch nachrichtendienstliche Tötungsdelikte."

Den deutschen Geheimdiensten traut Schmidt-Eenboom derartige Taten nicht zu: "Nicht einmal in der Frühzeit der Organisation gab es politische Morde." Nur einmal habe ein Vertreter eines deutschen Geheimdienstes in Washington die CIA erfolglos darum gebeten, den damaligen Staatsratsvorsitzenden der DDR, Walter Ulbricht umzubringen. "Aber dass der deutsche Geheimdienst selbst zum politischen Mord gegriffen hätte, ist völlig ausgeschlossen."

STAND
AUTOR/IN