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Selten war die Sehnsucht nach Frühlingserwachen so groß wie dieses Jahr nach dem zähen Lockdown-Winter. Stattdessen: Kälte, Wind und Regen. Das Frühjahrswetter ist bisher größtenteils eine Zumutung. Vor allem, wenn man sich ein paar der Nebenwirkungen genauer anschaut, meint Laura Koppenhöfer in unserer Wochenende-Kolumne "Zwei Minuten".

Was war das für ein nasser Mai. Anstatt uns für den langen Lockdown-Winter zu entschädigen, mit Wonne-Sonne, ließen wochenlang grau-schwarze Wolkenberge immer genau dann den nächsten Schauer runter, wenn man sich gerade aus dem Homeoffice zu einem kleinen Waldlauf aufgerafft oder die matschfest verpackten Kinder aus dem vierten Stock Richtung Spielplatz manövriert hatte.

Die Kolumne von Laura Koppenhöfer können Sie hier auch als Audio hören:

Auf den überdurchschnittlich verregneten Mai wurden wir eingestimmt von einem historisch kalten April, in dessen einzig warmer Woche ich mit zwei Quarantäne-Kindern auf dem Balkon festsaß. Also, dieses wetter-technisch derart verkorkste Frühjahr ist ja an und für sich schon ein Ärgernis. Ich weiß, die Natur freut sich! Aber die Restaurant- oder Schwimmbadbetreiber sollen sich auch freuen und endlich wieder Gäste empfangen, was die Inzidenzen ja erlauben, aber die grau-schwarzen Wolkenberge nicht.

Also, ein Ärgernis. Das zudem durch zwei Phänomene verstärkt wird.

Erstens: Es regnet zwar dauernd, aber noch immer nicht genug, um unsere leer gezogenen Grundwasserspiegel wieder zu füllen. Das wäre tatsächlich ein Trost, aber nein, wir brauchen mehr Regen, VIEL mehr Regen, und zwar nicht nur im Mai, sondern vor allem im Winter! Uah, man hatte es ja fast vergessen: 2 Grad kalter, schräg fallender Nieselregen, im Licht unzähliger Autoscheinwerfer im Pendlerstau. Von diesem nasskalten Winter-Gepladder wollen die durstigen Böden also viel mehr. 

Der Klimawandel könnte diesen Wunsch erfüllen, mehr Hitze im Sommer, mehr Niederschlag im Winter, so doch die häufige Prognose.

Was uns zum zweiten Phänomen bringt, wodurch das miese Wetter noch mieser erscheint: Es kippt buchstäblich Wasser auf die Mühlen der Klimawandelleugner, -skeptiker bzw. derer, die ihn einfach nicht wahrhaben wollen.

Sooo dramatisch könne die Erderwärmung ja wohl kaum sein, bei sooo kaltem Wetter seit Wochen. Da könnten die Klimahysteriker und Schulschwänzer von Fridays for Future doch bitte endlich Ruhe geben.

Der Mai ist sehr verregnet. Frühling in Deutschland, nach erneutem Regen zeigt sich ein Regenbogen. (Foto: Imago, PA Images)
Der Mai ist sehr verregnet. Frühling in Deutschland, nach erneutem Regen zeigt sich ein Regenbogen. Imago PA Images

Ich kann den Wunsch dahinter gut verstehen, wirklich! Alles halb so wild, man kann also doch bedenkenlos SUV- und Kreuzfahren, nach Lust und Laune fernfliegen - wie verheißungsvoll, gerade nach all den Entbehrungen der Corona-Zeit.

Die Logik dahinter kann ich weniger verstehen: Warum sollte ein nass-kühles Frühjahr den Aufwärtstrend der Durchschnittstemperaturen umkehren und das widerlegen, was in der seriösen Fachwelt nahezu unbestritten ist? Dass uns das miese Wetter von der zugegebenermaßen echt lästigen Bürde des menschengemachten Klimawandels befreit, halte ich für so wahrscheinlich wie einen Goldschatz am Fuße eines Regenbogens zu finden. Und da ist keiner! Ich habe auf Geheiß meiner Kinder immer wieder nachgesehen - denn Regenbögen gab es durch das Wechselwetter schließlich mehr als genug.

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