Die Atomkraftwerke Isar 1 und 2 mit dem Kühlturm in der Mitte. Isar 2 soll Ende 2022 endgültig vom Netz gehen, Isar 1 wird bereits seit 2017 zurückgebaut. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Armin Weigel)

Mini-Atomkraftwerke = Mini-Risiko und Mini-Müll?

Unabhängige Energieversorgung: Frankreich plant mit neuen kleinen Atomkraftwerken

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AUTOR/IN
Susanne Henn
ONLINEFASSUNG
Petra Thiele

Frankreichs Präsident Macron will massiv in Atomkraft investieren, um bei der Energieversorgung unabhängig zu sein. Doch wie riskant sind die geplanten neuen kleinen Reaktoren?

Bei den von Manuel Macron angekündigten Mini-Kraftwerken handelt es sich um sogenannte SMR-Reaktoren, die sich derzeit noch in der Entwicklung befinden. SMR-Reaktor steht für "Small Modular Reactor". Nach Ansicht ihrer Befürworter bieten sie eine Menge Vorteile: Zum einen können sie in einer modularen Bauweise in Serie vorproduziert und dann direkt vor Ort fertig montiert werden. Das spart eine Menge Geld. Und zum anderen helfen sie bei einer dezentralen Energieversorgung, denn jedes einzelne dieser Mini-Akws hat zwar im Vergleich zu den Großreaktoren eine vergleichsweise geringe Leistung - so rund 300 Megawatt. Die meisten Atomkraftwerke, die bisher am Netz sind, haben deutlich mehr als 1.000 Megawatt. Aber dafür können mehrere der kleinen Atomkraftwerke über das ganze Land verteilt werden.

Kein klimaschädliches CO2 und sehr flexibel

Und dann spielt auch noch das Klimaschutzargument eine nicht unwichtige Rolle. Denn bei der Produktion von Atomstrom wird kein CO2 freigesetzt und anders als bei Erneuerbaren Energien kann immer produziert werden, man ist nicht auf Wind oder Sonne angewiesen. Gleichzeitig gelten die kleinen Reaktoren als flexibel - anders als ihre großen Geschwister können sie ihre Leistung schnell hochfahren oder drosseln, könnten also Lücken füllen, die bei der Nutzung der Erneuerbaren Energien entstehen können. Die Aufgabe übernehmen bislang Kohle- oder Gaskraftwerke.

Risiken bleiben die gleichen

Klingt nicht schlecht, aber: Mini-Reaktor heißt leider nicht Mini-Risiko. Denn die Risiken und Gefahren der Atomkraft bleiben die gleichen. Natürlich hat die Havarie eines kleinen Akws weniger Auswirkungen als die eines Großkraftwerks vom Typ Tschernobyl oder auch Neckarwestheim. Aber wenn in einem Land nicht nur 15 große Atomkraftwerke stehen, sondern 100 oder 200 kleine Werke, dann steigt natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass in einem dieser Reaktoren etwas passiert und damit das Risiko eines Zwischenfalls. Von den Befürwortern wird zwar gerne behaupten, dass diese SMR-Reaktoren sicherer seien, Belege dafür bleiben sie aber bisher schuldig.

Atommüll weiterhin das Riesenproblem

Und dann noch das Thema Atommüll - ein Riesenproblem. Bekanntermaßen hat bisher noch kein Land dafür eine wirkliche Lösung gefunden, sprich: ein Endlager, in dem die Brennstäbe bis zu einer Million Jahre sicher verwahrt werden können, ohne die Umgebung zu verstrahlen. Mit den Mini-Akws vergrößert sich das Problem, denn auch wenn jedes von ihnen nur verhältnismäßig wenig Müll produziert, summiert dieser sich natürlich und auch die Franzosen wissen nicht, wohin mit dem Abfall. Ein Endlager in Lothringen ist zwar im Gespräch, aber offenbar nicht sicher. Und da gerät dann auch das "Billig-Argument" an seine Grenzen. Denn die Kosten, die für die Entsorgung entstehen, die sind bei der Rechnung. "Billiger Ökostrom dank Mini-Akw" nicht enthalten.

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