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"Die Welt hat gezeigt, sie steht näher zusammen als je zuvor", sagte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen zum Abschluss der von der EU-Kommission initiierten internationalen Geberkonferenz. Über 7,4 Millionen Euro sind im Kampf gegen die Corona-Pandemie zusammen gekommen. Zwei wichtige Akteure fehlten allerdings.

Europa, Kanada, Japan, Südkorea, China, Israel, Saudi-Arabien: Im Kampf gegen Corona haben Staats- und Regierungschefs aus aller Welt 7,4 Milliarden Euro für die Suche nach Impfstoffen und Medikamenten zugesagt, um das tödliche Virus gemeinsam zu besiegen.

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hatte die Online-Konferenz einberufen und moderierte die Schalte auf alle Kontinente begeistert und mit unerschütterlichem Lächeln. Zum Auftakt sagte sie selbst für die EU-Kommission eine Milliarde Euro zu. Dann ging es im Minutentakt weiter: 850 Millionen Dollar aus Kanada, 500 Millionen Euro aus Frankreich, 388 Millionen Pfund aus Großbritannien, 192 Millionen Euro aus den Niederlanden, 140 Millionen aus Italien und so fort. Am Ende war das Ergebnis dann fast eine Punktlandung und der Zielwert von 7,5 Millionen Euro nur knapp verfehlt.

Trump fährt eigenes Programm

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hielt sich bei der Geberkonferenz raus. Außenminister Mike Pompeo ließ lediglich ausrichten, man begrüße die Anstrengungen der anderen. Ein hoher US-Regierungsbeamter ergänzte in Washington - übrigens zeitgleich mit der Geberkonferenz in Brüssel -, die dort bedachten Organisationen bekämen auch von der US-Regierung viel Geld. Und: "Unsere Zusammenarbeit mit unseren europäischen Partnern wie auch mit Partnern in aller Welt bleibt extrem robust."

Trump hat hingegen ein eigenes Programm gestartet, mit dem "in Warp-Geschwindigkeit" ein Impfstoff entwickelt werden soll. Er rechne damit noch in diesem Jahr, bekräftigte Trump am Sonntag.

Auch Russland nicht dabei

Neben den USA fehlte auch Russland bei der Geberkonferenz. Seitenhiebe auf nationale Alleingänge waren immer wieder zu hören. So sagte beispielsweise Frankreichs Präsident Emmanuel Macron: "Das 'Jeder-für-sich' wäre ein großer Fehler."

Deutschland beteiligt sich mit über einer halben Milliarde Euro

Deutschland will 525 Millionen Euro für die internationale Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten gegen das Coronavirus bereitstellen. Das sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Online-Geberkonferenz.

Merkel: "Es ist eine Stunde der Hoffnung"

Die Pandemie sei eine globale Herausforderung, die auch nur mit einer weltweiten Zusammenarbeit besiegt werden könne, sagte Merkel. Sie kritisierte, dass in dieser Zeit nicht alle zu einer multilateralen Zusammenarbeit bereit seien. "Es ist eine Stunde der Hoffnung", sagte Merkel. "Deutschland wird sich tatkräftig einbringen."

Online-Spendenaktion mit Beteiligung aus aller Welt

Die EU-Kommission werde eine Milliarde Euro für den Kampf gegen das Virus beisteuern, sagte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen zum Start der Videokonferenz. Sie hatte Länder, Organisationen und Unternehmen zu Spenden aufgerufen.

An der Online-Spendenaktion beteiligen sich Regierungen, Pharmakonzerne und private Stiftungen aus aller Welt. Deutschland ist Co-Gastgeber dieses Online-Formats.

Großbritannien will 442 Millionen Euro geben

Als einer der ersten hatte am Vormittag der britische Premierminister Boris Johnson angekündigt, dass sein Land für die weltweite Entwicklung eines Impfstoffes 388 Millionen Pfund (etwa 442 Millionen Euro) zur Verfügung stellen werde. "Um diese Schlacht zu gewinnen, müssen wir zusammenarbeiten, um einen unbezwingbaren Schutzschild um alle Menschen zu bauen", erklärte Johnson in London.

Merkel: Impfstoff muss allen Menschen zur Verfügung stehen

Schon vor dem Start der internationalen Geberkonferenz hatte Merkel betont, dass jetzt gemeinsames Handeln gefragt sei. Wichtig sei, dass solche Forschung gegen ein weltweites Virus nicht als Einzelaktionen, sondern gemeinsam passiert, sagte Merkel in ihrem Video-Podcast.

Merkel betonte weiter, dass nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus schnell geforscht werden müsse. Das müsse gemeinsam passieren, und dieser müsse dann allen Menschen zur Verfügung stehen. Weltweit wird derzeit nach Angaben der EU-Kommission an mehr als 70 möglichen Impfstoffen geforscht. Mindestens drei werden inzwischen klinisch getestet.

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"Es wird viel Koordination gebraucht werden. Es wird viele bilaterale Kontakte mit anderen Ländern brauchen. Wir wollen eng mit der Weltgesundheitsorganisation zusammenarbeiten, die natürlich in dieser Frage eine Schlüsselrolle hat. Bei all diesen Aktivitäten ist Deutschland vorne mit dabei, weil wir als Land darauf setzen, das nur gemeinsames Handeln international uns diese Pandemie überwinden lässt."

Bundeskanzlerin Angela Merkel

"Ab heute sprinten wir in Richtung Impfstoff"

Zuletzt hatte die Kanzlerin vor allem den US-Präsidenten Donald Trump mehrfach mindestens indirekt kritisiert. Trump hatte die US-Beiträge für die Weltgesundheitsorganisation gestrichen.

Bei der internationalen Geberkonferenz geht es um die Zusammenarbeit von Staaten, aber auch von privaten Organisationen wie der Melinda- und Bill-Gates-Stiftung und anderer Geldgeber. "Wir sitzen in einem Boot", schreiben die Autoren. Jeder einzelne gesammelte Euro oder Dollar werde an globale Gesundheitsorganisationen fließen. "Wir wissen, dass das ein Langstreckenlauf wird", schreiben Merkel und Co: "Ab heute sprinten wir in Richtung unseres ersten Ziels, der Herstellung eines Impfstoffs."

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