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Fußball-Fieber Wie viel EM geht am Arbeitsplatz?

Endlich Fußball-EM 2016! Schwarz-rot-goldene Fähnchen überall - die Spiele der deutschen Mannschaft werden ordentlich gefeiert. Hier die Regeln, die für Fußball neben dem Job gelten.

Fußball EM

Fußball-Übertragung am Arbeitsplatz: In manchen Unternehmen steht das Band still

Die Spiele der deutschen Mannschaft sind fast alle später am Abend - die anderen aber auch nachmittags. Wenn man dann noch im Büro sitzt, Schicht arbeitet oder im Café kellnert und die Spiele trotzdem verfolgen will, sollte man sich an einige Regeln halten.

Gespräch mit Sabine Stöhr, SWR Wirtschaft und Soziales

Welche Regeln gelten, wenn man im Büro, am Arbeitsplatz, die EM-Spiele verfolgen will?

Fußball, Büro

Fußball-EM im Büro hat Grenzen

Ganz so einfach ist es nicht. Wichtig ist, dass man nicht davon ausgeht, dass, was nicht verboten ist, automatisch erlaubt ist. Wer das voraussetzt, ist schnell in einer misslichen Lage. Denn grundsätzlich gilt, was ich im Arbeitsvertrag unterschrieben habe: Dass ich Arbeit erbringe - und, ganz klar, EM hat nichts mit Arbeit zu tun. Fußball ist reine Privatsache, und wenn der Arbeitgeber sagt, die EM findet bei mir nicht statt, dann ist das eben so.   

Gibt es etwas, was grundsätzlich erlaubt ist?

Kofferradio

Leise Radio hören ist erlaubt

Ja, das ist das Radio. Radiohören darf der Arbeitgeber nicht verbieten. Dazu gibt es ein Grundsatzurteil aus den 1980er Jahren. Voraussetzung ist, es stört niemanden - also man hat das Radio relativ leise, sodass Menschen, die konzentriert arbeiten müssen, nicht beeinträchtig werden - und es gibt auch keine Sicherheitsbestimmungen für diesen Arbeitsplatz, die dagegen sprechen.

Wichtig ist: Es darf sich niemand belästigt fühlen, auch nicht von lautem Torjubel. Da gelten die einfachen, alltäglichen Benimm-Regeln, den anderen nicht bei der Arbeit zu stören. Die Geschäftsabläufe müssen gewährleistet bleiben - da darf nichts dazwischen kommen und ablenken.

Was ist mit Fernsehen, Internet oder etwa Smartphone - wenn man zum Beispiel mit dem Liveticker den Stand der Tore verfolgen will?

Smartphone

Auf dem Smartphone Fußball checken - nur, wenn es der Arbeitgeber erlaubt

Auch das kann der Arbeitsgeber verbieten. Fernsehen lenkt ja ganz klar von der Arbeit ab. Da sagt zum Beispiel die BASF in Ludwigshafen oder die Debeka in Koblenz: Nein, das geht nicht!

Bei der BASF sollen auch Smartphones nur in der Pause genutzt werden, um mal den Spielstand oder den Liveticker abzufragen. Das kann eben auch mit Sicherheitsvorschriften zu tun haben, dass man wirklich konzentriert bleibt bei der Arbeit.

Auf jeden Fall abklären, was erlaubt ist - sonst sitzt man schnell in der Abmahnfalle. Im schlimmsten Fall kann auch gekündigt werden. In größeren Betrieben können das zum Beispiel auch die Gewerkschaften vorher klären und zusammen mit dem Arbeitgeber Regelungen finden, die alle zufriedenstellen.

Wenn ich so ein richtig großer Fußball-Fan bin, kann ich mit Deutschlandtrikot ins Büro gehen und auch die Deutschlandfahne hinter meinem Schreibtisch aufhängen?

Fußball EM

Fußballfan und Blaumann - besser nachfragen

Ja, das gehört mit dazu. Die Sparkasse Mainz etwa sagt klar: Ja, das geht. Auch die BASF und die Debeka, mit denen ich gesprochen habe, sagen ja. Die Bedingungen sind aber auch hier wieder, dass Sicherheitsvorschriften nicht beeinträchtigt werden, es die Kollegen nicht stört und man nicht mit Kunden in Kontakt kommt.

Etwas anderes ist sicher, wenn man im Café bedient oder im Fahrradladen als Mechaniker arbeitet. Da sollte das auf jeden Fall gehen. Aber auch hier gilt wieder - unbedingt absprechen.

Wie verhält es sich mit Büro-Wetten oder -Tippgemeinschaften?

Ein Fußballfan schläft mit einem Fußball im Arm an seinem Arbeitsplatz

Lange Fußballnächte und die Folgen

Ein wichtiger Punkt ist übrigens auch noch bei Büro-Wetten oder Tipp-Gemeinschaften: Das ist grundsätzlich erlaubt, aber - aufpassen - nur in den Pausen, weil auch das ist wieder ein Privatvergnügen. Auch hier nicht einfach auf das Wohlwollen des Arbeitsgebers hoffen, denn auch das hat nichts mit der Arbeit zu tun.

Genauso: Das Feiern am Abend - das kann ich natürlich. Wer dann aber am Morgen lieber nicht zur Arbeit will, muss das vorher planen und Urlaub nehmen. Oder, wer kann, die flexible Arbeitszeit nutzen und ein bisschen später kommen.

Online: Heidi Keller und Christine Härrer